Griaß eich midnand! Na gut, ich höre ja schon wieder auf. Heute bringe ich euch ein wenig Bayerisch bei, denn als wir von der Slowakei hier ankamen, mussten wir nicht nur Hochdeutsch, sondern eben auch Bayerisch lernen, und  das ist ein gewaltiger Unterschied, kann ich euch sagen. Auch innerhalb Bayerns gibt es mindestens so viele Dialekte wie unter uns Hunden, also wundert euch nicht, wenn es anderswo wieder ganz andere Wörter gibt.

Manches mag für eure Menschen sehr bedeutend sein. Wenn beispielsweise euer Menschenmännchen als „Hund“ bezeichnet wird, im Sinne von „Des is a Hund!“, dann empfinden wir das selbstverständlich als Kompliment. Unverständlicherweise geht es den nichtbayerischsprechenden Menschen nicht so. Dabei meint auch der Bayer das respektvoll, denn ein „Hund“ ist in dem Fall ein gewitzter Mensch, der sich wegen irgendeiner Handlung Achtung erworben hat, etwas weil er einen anderen überlistet hat. Seht ihr die Parallelen? Manche Wörter sind auch aus dem Österreichischen entlehnt. Schön finde ich die „Sackerl fürs Gackerl“, also die Hundehaufentütchen, die natürlich jeder Mensch dabeihaben und verwenden soll. Kleine Hunde werden auch „Zamperl“ oder „Wadlbeißer“ benannt, aber letzteres verbitten wir uns selbstverständlich.

Aber auch Begriffe, die mit Erziehung zu tun haben, können im Bayerischen ganz anders sein als im Hochdeutschen. Unser Mensch verwendet teilweise auch Englisch oder ganz andere Wörter, je nachdem, was gerade vom Klang her passt, aber wir verstehen ja mittlerweile alles. Geschimpft wird allerdings meistens auf Bayerisch. Wenn hund beispielsweise kommen soll, könnte das zunächst mit einem „Kimm!“ oder „Kumm!“ beginnen. Sollte hund sich anders entscheiden, könnte ein „Kimmst jetzt her!“ folgen. Sollte hund dann immer noch eine andere Beschäftigung bevorzugen, könnte sich der Mensch zu einem „Schaugst, dassd jetzt herkimmst, sunst setzts wos!“ hinreißen lassen. Die meisten Hunde entscheiden sich spätestens jetzt zu einem gewissen Grundgehorsam und traben zu ihrem Menschen. Analog dazu auch das Gegenteil: Wenn ihr verschwinden sollt, kann es sein, dass ihr ein „Schleich di!“ zu hören bekommt, dann ein „Schau, dassd di schleichst!“ oder auch ein „Wennst di ned glei schleichst, kannst wos dalem!“. Letzteres würde in etwa bedeuten: „Wenn du nicht gleich verschwindest, wirst du dein blaues Wunder erleben!“ Und bei dieser Drohung braucht es schon das Gemüt eines Bernhardiners, um nicht wegzuschleichen. Generell ist der Bayer an sich, vor allem der männliche, eher sparsam mit Worten, also ist es bei dieser letzten recht wortreichen Drohung durchaus empfehlenswert, das Feld zu räumen. Auch ein angefügtes „Host mi?“, was so viel bedeutet wie: „Hast du mich verstanden?“, sollte unbedingt mit spontanem Gehorsam quittiert werden. Hund kann sich ja später wieder umentscheiden.

Selbstverständlich gibt es im Bayerischen auch positive Wörter. Die schönsten davon drehen sich ums Essen. Manchmal sind es für dieselben Dinge einfach komplett unterschiedliche Wörter, wie „Wiener Würschtl“, „Leberkaas“ oder „Fleschpflanzerl“. Aber auch einen „Kaas“ sollte man nie ablehnen, oder auch Semmeln und Brezen, wenn sich die Chance ergibt. Aber diese Wörter solltet ihr ja schon kennen. Wichtig ist vor allem eines: „Gutti“. Dieses Wort bezeichnet so ziemlich alles, was lecker schmeckt, und heißt bei euch wahrscheinlich Leckerli.

Vor allem als kleiner Hund sollte man sich darüber hinaus daran gewöhnen, dass Vieles, was einen betrifft, auf ein „-erl“ endet. „Schnauzerl“, „Pfoterl“ und „Schüsserl“ sind eben kleine Ausgaben von Schnauzen, Pfoten und Schüsseln. Klingt komisch, aber die Menschen meinen es ja gut. Aber wisst ihr, was unser Lieblingswort ist? Betthupferl. Das ist unser Gutenachtkeks zum Einschlafen. Und eben den hole ich mir jetzt.

Hoffentlich seid ihr nun gut gewappnet für euren nächsten Urlaub in unserem wunderschönen Bayern. Schreibt uns doch auch einmal „Hundewörter“ in eurem Dialekt!

Pfiad eich!

Lunka und Lilly