Wer sich einen Welpen anschafft, steht schnell vor der Frage, ob der Hund später kastriert werden soll oder nicht. Im Vorfeld: Diese Frage muss jeder Hundebesitzer für sich selbst beantworten! Und trotzdem möchte ich auf einige Vor- und Nachteile hinweisen.

Generell ist die Kastration ein Eingriff, der gut überlegt sein will. Der Hund muss für die Kastration in Narkose gelegt werden, welche immer ein Risiko darstellt, selbst für einen sonst gesunden, jungen Hund. Gerade bei Hündinnen handelt es sich um einen Eingriff in der Bauchhöhle, bei dem eine längere, tiefe Narkose nötig ist. Zudem ist der Eingriff unwiderruflich.

Man entfernt dabei die keimbildenden Organe, also bei Hündinnen die Eierstöcke und bei Rüden die Hoden. Aus diesem Grund heißt es übrigens bei Tieren immer Kastration, eine Sterilisation wäre das Durchtrennen von Ei- oder Samenleitern, was beim Tier allerdings absolut unüblich ist. Das heißt, es werden hier in der Regel absolut gesunde Organe entfernt.

Durch die Kastration verändern sich die Tiere häufig, sowohl vom Verhalten, als auch optisch. Viele, vor allem früh (ab 6. Monat) kastrierte Hunde bleiben verspielter, die Kastration kann aber auch zu einem Ruhiger- bzw. Gelassenerwerden führen. Aus diesem Grund wird die Kastration häufig bei schwierigen Hunden eingesetzt. Man sollte aber unbedingt berücksichtigen, dass die Kastration NIEMALS Erziehung ersetzen kann. Das Fell zeigt häufig Veränderungen, diese können farblich sein, aber auch die Fellbeschaffenheit oder Fellmenge kann sich deutlich verändern.

Dass die Hunde durch die Kastration an Gewicht zunehmen ist ein Ammenmärchen, das häufig nur als Ausrede der Besitzer von übergewichtigen Hunden zu werten ist. Durch das u. U. Ruhigerwerden des kastrierten Hundes ist es natürlich möglich, dass diese sich weniger bewegen, als vor der Kastration, was bei gleicher Futtermenge zu einem Teufelskreislauf aus Gewichtszunahme und Verminderung der Bewegung führt. Hier ist der Besitzer gefragt, die tägliche Futterration entsprechend anzupassen, dann hat man auch nach der Kastration einen schlanken, agilen Hund.

Man muss allerdings darauf hinweisen, dass kastrierte Hunde im Alter häufig zu Inkontinenz neigen, vor allem bei Hündinnen ist das Risiko dazu hoch. Man kann diese Inkontinenz allerdings mit entsprechenden Medikamenten gut behandeln, und auch unkastrierte Hunde können im Alter eine Inkontinenz entwickeln. Dafür kann man das Risiko von Gesäugetumoren durch eine Frühkastration (vor der ersten Läufigkeit) nachweislich um über 80 % senken.

Natürlich hat die Kastration aber auch viele Vorteile für Hund und Besitzer.

Unkastrierte Hündinnen werden 2mal im Jahr für ca. 3 Wochen läufig. In dieser Zeit müssen die Hündinnen strikt an der Leine gehalten werden und nicht selten kämpft man als Besitzer gegen unkastrierte und unangeleinte Rüden, um eine ungewollte Schwangerschaft zu vermeiden. Vor allem in den Stehtagen, in der die Hündin aufnahmebereit ist (10.-13. Tag der Läufigkeit ca.) sollte man hier vehement darauf achten, dass die Hündin nie unbeaufsichtigt ist. Sie sollte weder abgeleint werden, noch mit Rüden Kontakt haben, bei denen man sich unsicher ist, ob diese intakt sind. Sollte ein Rüde dennoch aufreiten und decken sollte man die Hunde KEINESFALLS gewaltsam trennen. Sie hängen nach dem Deckakt durch Schwellkörper am Penis des Rüden zusammen und ein gewaltsames Trennen würde zu massiven Verletzungen auf beiden Seiten führen. Wenn die Hunde sich dann selbstständig voneinander lösen sollte man dringend einen Tierarzt aufsuchen, der dann die „Pille danach“ in Form einer Spritze verabreichen kann.

Das Tröpfeln der Hündinnen findet über die gesamte Zeit der Läufigkeit statt, die Art des Sekrets verändert sich aber je nach Stadium der Läufigkeit. Die Menge ist durchaus abhängig von der Größe des Hundes. Vor allem großen Hunden kann man hier spezielle Schlüpfer (erhältlich im Zooladen) mit Einlagen anziehen, um ständiges Putzen durch Frauchen und Herrchen zu umgehen. Die Einlage sollte allerdings häufig gewechselt werden (mehrmals täglich), bewährt haben sich dabei Slipeinlagen, die man in den Schlüpfer klebt.

Während der Läufigkeit der Hündin kann nicht nur diese den Besitzer durch Stimmungsschwankungen begeistern. Auch Besitzer intakter Rüden haben häufiger im Jahr ihre helle Freude mit den Läufigkeiten der Hündinnen aus der Nachbarschaft. Denn bekommt ein intakter Rüde den Geruch einer läufigen Hündin in die Nase, gibt es für diesen oft kein Halten mehr. Manche Rüden können dadurch richtig gestresst sein.

Bei diesen, sehr durch läufige Hündinnen gestressten Rüden, ebenso wie bei Rüden die zu einer Hypersexualität neigen (Aufreiten am Menschen etc.) sollte man über die Kastration nachdenken. Auch bei Rüden, die stark territorial sind oder absolute Unverträglichkeiten mit anderen Rüden zeigen ist eine Kastration evtl. empfehlenswert.

Gleiches gilt für Hündinnen, die Scheinschwangerschaften nach jeder Läufigkeit entwickeln, oder an einer Gebärmutterentzündung erkranken. Hier ist die Kastration als therapeutisches Mittel zu sehen.

Grundsätzlich gilt, dass jeder Besitzer eines intakten Hunden sehr verantwortungsvoll handeln muss, um ungewollte Schwangerschaften zu vermeiden. Man sollte weder Hunde verpaaren, nur damit „mein toller Hund einmal Welpen hat“, noch sollte man auf den Zufall hoffen, dass schon nichts passieren wird. Eine Hündin kann 12 und mehr Welpen in einem Wurf gebären und jeder dieser Welpen muss vermittelt werden, was sehr schwierig ist, wie die vielen Hunde in deutschen Tierheimen bezeugen.

Ist man nicht bereit, alles zu tun um eine Schwangerschaft zu vermeiden (samt Leinenpflicht und Co., auch für Rüdenbesitzer mit intakten Hündinnen in der Nachbarschaft) sollte man eine Kastration in Erwägung ziehen, um nicht unnötig Welpen in die Welt zu setzen, die später im Tierheim landen oder evtl. massive gesundheitliche Probleme aufgrund fehlender Untersuchungen der Elterntiere haben. Zudem sollte man sich überlegen, wie viel Geld, Zeit und Nerven die Aufzucht eines Wurfes kostet. Und nein, man kann, auch wenn man alle Welpen verkaufen kann, hier keinen finanziellen Gewinn erwarten.

Eine Alternative zur Kastration bildet ein Hormonchip, der seit einiger Zeit auf dem Markt ist und eine Kastration für ca. 6 Monate imitiert. Allerdings sollte diese Möglichkeit nur als Entscheidungshilfe genutzt werden, nicht als Dauerlösung. Weitere Informationen erhalten sie beim Tierarzt.