Hallo, liebe Hundekumpels und Hundemenschen! Heute begann unser Tag mal wieder mit einem entsetzten Schrei am Morgen: „Ausbruch aus Alcatraz!“ Jetzt weiß ich leider nicht, was genau ein Alcatraz ist.

Aber es muss wohl ein Kaninchengehege sein, denn unsere waren mal wieder in der Wohnung unterwegs. Ich finde, das ist ein guter Anlass, um euch die Sache mit den Kaninchen zu erzählen. Und zwar bin ich die kleine Lilly, falls ihr es noch nicht gemerkt habt, denn diese Geschichte hat uns meine Schwester eingebrockt und sie würde sie wohl nicht so ganz wahrheitsgemäß beichten…

 Es begann vor gut zwei Jahren. Unser Mensch schleppte uns mal wieder überall mit hin, damit wir aus unserer „Seifenblase herauskommen und die Welt sehen“. Auf die Art landeten wir auch in einem von diesen riesigen Geschäften, wo es allerhand Pflanzen und kleine Tiere und alles, was man halt dafür so braucht, zu kaufen gibt. Wir wollten Fische, und während unser Mensch welche fürs Aquarium aussuchte (Oh ja, so eins haben wir auch!), amüsierten wir zwei uns mit den Goldfischen, die ja praktischerweise auf Bodenhöhe wohnen. Die kommen immer angeschwommen und wollen uns auf die Nase knutschen. Sehr unterhaltsam. Aber leider ist ja das Glas dazwischen. Neben den Fischen wohnen die kleinen Käfigtiere, unter anderem eben auch Kaninchen. Und was macht meine Schwester? Während ich auf direktem Weg die Kekse anpeile (Logisch, oder?), setzt sie sich mitten vor das Gehege mit den Kaninchen und fragt die doch tatsächlich, ob eins Lust auf einen Ratsch hätte. Und wirklich kamen dann ein, zwei freche angehoppelt und unterhielten sich mit ihr. Unser Mensch fand das natürlich furchtbar süß. Ich ahnte schon, wohin das führen würde. Das ganze Spiel wiederholte sich noch etliche Male, und irgendwann kam dann unser Mensch natürlich mit zwei solchen Schlappohren an. Sie behauptet zwar, wir wollten die alle, aber ich hätte ganz eindeutig dagegen gestimmt!

Zugegeben, anfangs waren sie ja auch noch ganz putzig. Unser Mensch nannte sie „Bonnie“ und „Clyde“. Mittlerweile heißen sie eher „Mamsell la Bömm“ und „der Bub“, aber wir haben ja auch Spitznamen. Allerdings schmeichelhaftere. Als die beiden einzogen, waren sie noch süße, kleine Babys. Sie hatten einen Käfig und einen Auslauf in der Wohnung, weil sie ja noch so winzig waren. Jeden Tag wurden sie hin- und hergetragen, und wir durften sie dabei beschnuppern. Das war schon schön. Meine Schwester konnte ihrem Hobby Tiermedizin nachgehen und untersuchte die Kleinen jedes Mal. Das genoss sie sichtlich. Und als sie dann das erste Mal zur Tierärztin mussten, kletterten wir gleich mit auf dem Tisch, denn schließlich muss man da schon aufpassen, dass die denen nicht wehtut! Gehören ja immerhin zum Rudel, auch wenn sie etwas komisch aussehen.

 Mit der Zeit wurden die beiden aber größer und selbstbewusster. Wenn es draußen nicht mehr so warm ist, dürfen sie in der Wohnung hoppeln, wie gerade jetzt auch. Das finden wir gar nicht lustig, denn die kennen wirklich keine Grenzen. Einmal saß Bonnie sogar in unserer Wasserschüssel! Und weil ihr Fell am Popo so dicht ist, dauerte es ewig, bis sie da wieder raushoppelte! Selbstverständlich erwarteten wir dann eine perfekt geputzte Schüssel von unserem Menschen. Wer trinkt schon gern Kaninchenpopowasser?

Unser größtes Problem mit den Kaninchen ist allerdings ein anderes: Auf den beiden liegt ein „Nein“. Und das wissen die ganz genau, die Langohrratten. Als sie das erste Mal ausbrachen, war unser Mensch gerade im Treppenhaus beim Putzen. Konnte ja keiner damit rechnen, dass sie aus dem Auslauf rauskommen. Jetzt hatten wir wirklich ein Problem. Die sollten da ja wieder rein, und wir dürfen sie ja nicht anfassen, und vor allem, wo fasst man denn so ein Hoppelviech an? An den Schlappohren? Wir waren verwirrt, denn Ärger wollten wir ja auch nicht riskieren. Also hatten wir eine klasse Idee: Wir hefteten uns einfach jede an so einen dicken Kaninchenpopo und passten auf, dass die zumindest nichts kaputt machten. Man weiß ja nie, am Ende heißt es dann, wir waren das. Irgendwann, nach einer halben Ewigkeit, kam dann unser Mensch wieder zurück. Das Gesicht könnt ihr euch bestimmt lebhaft vorstellen! Die Kaninchen unterwegs und wir beiden jede mit der Nase an so einem Popo! Die Ausbrecher wurden wieder in ihren Auslauf verfrachtet und wir bekamen Massen an Keksen. Geht doch.

Es dauerte aber nicht lang, dann wurden die beiden immer frecher. Wir verziehen uns ja ohnehin schon in unsere Bettchen, denn wir wollen ja auf keinen Fall geschimpft werden. Leider suchen diese lästigen Schlappohrraten immer Anschluss! Da kann man ja gar nicht entkommen! Ein Highlight war, als dann Bonnie meinte, sie müsse es sich ausgerechnet mitten auf meiner Schwester bequem machen. Das war ein Schauspiel! Nachdem ja ein „Nein“ auf dem Viech liegt, konnte sie sich gar nicht rühren. Ich muss gestehen, ich fand es zum Brüllen komisch! Unser Mensch hat Bonnie dann schnell entfernt. Aber das Lachen verging mir, als Bonnie beschloss, sich zu mir in meine schicke Kuschelhöhle zu quetschen! Das geht doch nicht! Da passt genau ein Lillykringel rein! Böse Zungen behaupten sogar, es handle sich hierbei um eine Katzenhöhle, aber das weise ich entschieden von mir! 

 Unser Mensch bemüht sich wenigstens, dem Ganzen Einhalt zu gebieten. Damit nix passiert. Am Ende beißen die uns noch! Als Bonnie das letzte Mal ihre Tage hatte, wollte sie mich wirklich in die Nase zwicken. Ich bin dann ganz schnell davongelaufen und die mir hinterher. Das ist doch nicht normal, sowas… Jetzt ist das mit der Kaninchenerziehung nicht so einfach. Schließlich sind sie nicht unbedingt die Allerschlauesten. Ihr kleines Schlappohrhirn scheint sich darauf zu beschränken, irgendwo raus- oder reinzukommen. Da sind sie dann allerdings echt clever. Unser Mensch hat sich dann Folgendes überlegt: Damit die Kaninchen lernen, dass wir furchtbar gefährlich sind (Das checken die ja komischerweise nicht von allein…), schmeißt sie immer, wenn wir knurren, Sachen nach denen. Gut, es sind nur Taschentuchpäckchen, aber die Idee find ich sehr unterhaltsam. Erst werden Taschentücher gestapelt, dann werden die wilden Tiere (also die Kaninchen) losgelassen und los geht’s. Früher oder später kommen die totsicher zu uns, weil sie ja mit uns kuscheln wollen. Welcher anständige Hund kuschelt denn bitteschön mit Kaninchen? Also knurren wir recht kräftig über zwei Oktaven, und dann fliegen die Taschentuchpäckchen. „Konditionierung“ nennt das unser Mensch. Keine Ahnung, was das bedeuten soll, aber es ist wohl sowas Ähnliches wie Tricks lernen. Kaninchentricks halt. Bonnie hat es nach dem ersten Päckchen tatsächlich schon kapiert. Aber der Bub… Dem können auch zehn Päckchen um die Ohren fliegen und er stellt sich lediglich auf die Hinterhaxen und schaut nach, was das war. Aber heute konnten wir schon einen Erfolg verbuchen: Als sie die Schlafzimmerschwelle überhoppeln wollten, knurrten wir ganz arg laut und die Schlappohrratten machten sofort auf ihren dicken Popos kehrt. Sieg! Vielleicht klappt das ja doch mit der „Konditionierung“.

 Ja, so ist das mit den Kaninchen. Gerade eben musste unser Mensch sich mal wieder eingestehen, dass sie den Kampf um die neue Couch erneut verloren hat. Jetzt muss eine bessere Konstruktion her, weil die beiden Schlaumeier anscheinend die Couch von unten zerkauen. Aber das ist dann wieder eine andere Geschichte. Für heute sind die beiden wieder in ihrem „Alcatraz“ eingesperrt und wir können wieder aufatmen.

 Ein äußerst erleichtertes Nuff an euch alle!

 Lilly und Lunka