Veröffentlicht in Kleine Hunde ganz groß

Kleine Hunde ganz groß, Teil 37: Wir machen Urlaub!

 Lilly und LunkaHallo, liebe Hundekumpels und Hundemenschen!

Jetzt ist anscheinend wieder die Zeit im Jahr, wenn die Menschen unruhig werden und wir nur noch das Wort „Urlaub“ hören. Die meisten Menschen fliegen in diesen Flugzeugen ganz weit weg. Wir waren ja auch schon ziemlich weit unterwegs. Wir haben das Meer gesehen, aber das war ganz furchtbar salzig. Da ist uns unser Fluss deutlich lieber. Ich habe wirklich jeden Morgen probiert, ob sich das mit dem salzigen Geschmack schon gebessert hat, aber es war immer dasselbe. Sehr kurios. Wir waren schon auf einem Berg und haben die Kühe geärgert (naja, so ein klitzekleines bisschen, denn die sind ganz schön groß…). Das war auch schön, aber da waren auch so furchtbar große Hunde, die immer auf ihre Häuser aufgepasst haben. Einmal wurde es für uns richtig brenzlig, obwohl wir nur einen Weg entlanggehen wollten.

 

Letztes Jahr waren wir also gar nicht weit weg, dafür aber in einem Hundehotel. „Seehotel Moldan“ heißt das und ist in Niederbayern. Das Witzige daran ist: Man darf dort wirklich nur übernachten, wenn man einen Hund dabei hat. Auf die Art kommen an manchen Tagen über hundert Hunde zusammen, was echt viel ist, sagt unser Mensch. Bestimmt Lillysind 100 aber viel mehr als die 27 Kinder in unserer Schulhundklasse. Unser Mensch behauptet auch, dass wir besonders wegen mir dort waren. Das muss wohl an dem Yorkshire Terrier-Vorfall liegen. Die Sache ist die: Während meine Schwester Lilly durch das Leben hüpft, ohne sich auch nur über irgendetwas Gedanken zu machen, muss ich mich immer um das ganze Rudel sorgen. Wenn jetzt ein fremder Hund kommt, habe ich wirklich Angst, weil ich ja auch schon so oft gebissen wurde. Unser Mensch sagt immer, dass es andersrum ist, dass ich also gebissen werde, weil ich so viel Angst habe. Das erscheint mir aber doch etwas unlogisch, und Vorsicht ist doch schließlich keine schlechte Eigenschaft, wenn sich schon sonst keiner kümmert. Unser Mensch nennt mich immer einen „Pessimisten“. Ich weiß ja nicht, ich halte mich eigentlich für einen Hund. Eines Tages kamen da also zwei so ganz kleine Yorkies an. Die waren wirklich so winzig, dass sie mir unter dem Bauch durchlaufen hätten können. Aber in dem Moment, als die so auf mich zugewackelt kamen, sahen sie irgendwie aus wie zwei riesengroße Rottweiler. Um es kurz zu machen: Ich ergriff quietschend die Flucht. Für unseren Menschen war das anscheinend der ausschlaggebende Moment, dass wir uns ein Hundehotel mit ganz vielen fremden Hunden suchen mussten: Schocktherapie für eine kleine Lunka. Ich fand das so fies, das könnt ihr euch gar nicht vorstellen. Und so etwas nennt sich Urlaub!

 

Irgendwann war es dann soweit: Wir kamen im Seehotel Moldan an. Meine Schwester Lilly war natürlich nur mit einem beschäftigt: Hundejungs. Da waren so viele Hundejungs, von denen viele sie auch sehr sexy fanden, dass wir keinen Abend allein aufs Zimmer Lunkagingen. Gut, im Zimmer waren wir dann schon allein, aber bis zur Tür hatten wir regelmäßig Begleitung. Na supi. Manchmal schäme ich mich ein wenig. Und ich kleine Lunka? Los ging es schon beim Check-In: Unser Mensch war vom Fleck weg begeistert von den netten Menschen und den Hunden, die auf dem Gelände zumeist ohne Leine unterwegs waren. Ich war von der Autofahrt noch gestresst, und auf einmal stand da ein riesengroßer Wuschel vor mir! Gut, unser Mensch hatte ihn mit einem „Nein!“ belegt, also konnte ich gar nicht hinkeifen, obwohl ich das wirklich gern getan hätte. Nun gut, abwarten war die Devise. Als wir dann unser Zimmer bezogen hatten, besichtigten wir gleich das Gelände. Und stellt euch vor, sehr zu meinem Entsetzen gab es da einen Swimming Pool! Also, das ist quasi wie ein Teich, nur ganz rund und ganz ohne Ufer. Auch da waren Menschen und Hunde und alle hatten Spaß und hüpften im Wasser herum. Mensch und Hund! Lilly juckte es natürlich schon wieder in den Krallen, und unser Mensch war hin und weg. Nur – ihr ahnt es schon – meine Sorgenwolke zwischen den Fledermausohren nahm unwetterartige Züge an. Ein Swimming Pool! Ich kann doch nicht richtig schwimmen! Zugegeben, wir hatten zwar unsere Schwimmwesten im Auto dabei, aber ich sah schon vor mir, wie unser Mensch wieder auf dumme Gedanken kommen würde. Hund hat es echt nicht leicht, und das im Urlaub!

 

Unser Mensch freundete sich schnell mit einem netten Paar mit einem schwarzen Labrador namens „Hugo“ an. Ihr erinnert euch? Mein Worst-Case-Szenario ist ein großer, schwarzer Hund. Entspannung geht wirklich anders. Und alles nur wegen zwei Yorkshire Terriern. Wir kaperten also eine Liege ausgerechnet neben Hugo (aus therapeutischenLilly und Lunka Gründen), der noch dazu ein äußerst merkwürdige Labrador ist: Er wollte nicht um viele Hundekekse ins Wasser. Insofern wurde er mir dann doch noch ganz sympathisch, denn diese Aversion teilen wir uns. Und noch ein Schicksal hatten wir gemeinsam: Unsere Menschen kamen jeden Tag auf die Idee, wir Hunde müssten trotzdem schwimmen, da es ja schließlich so heiß draußen war. Hugo wurde getragen, und meine Schwester Lilly und ich sprangen (na gut, krabbelten) unserem Menschen immer in die Arme und dann wurde schwimmen geübt. Ja, auch ich. Denn es ist doch so: Wenn unser Mensch ein Kommando gibt, dann muss hund eben folgen. Meine Schwester Lilly probiert manchmal aus, wie es ist, wenn man nicht so gut hört, und dann passiert in der Regel auch nicht so viel, außer dass sie vielleicht mal geschimpft wird. Aber ich würde auf diese Idee nie kommen! Das geht doch nicht! Meine Schwester Lilly hat das mit dem Schwimmen schon ganz gut drauf, aber ich fand das reichlich gemein. Immer einmal um den Springbrunnen in der Mitte. Aber zuhause war ich dann so mutig, dass ich freiwillig in den Fluss gesprungen bin! War es also doch für etwas gut. Abgesehen von dem Pool gibt es übrigens auch noch einen See gleich neben dem Hotel. Da ist’s dann leichter mit dem Schwimmen, weil hund nicht gleich ins Wasser fällt.

 

Allmählich arrangierte ich mich auch mit dem Hotel, und weil es ja wenig Sinn macht, permanent die Flucht zu ergreifen, beschränkte ich mich auf das Verteidigen unserer Liege, und die meisten Hunde respektierten das auch. Sogar die ganz großen! Angst hatte ich dann kaum mehr, komischerweise. Und unser Mensch war zufrieden. Ein absolutes Highlight war für mich aber das Seminar bei Anja Jakob. Es hieß Lunka„Sommerhundewunschpunschseminar“, und weil eines meiner Lieblingsbücher im Regal in unserem Wohnzimmer auch fast ein bisschen so heißt (Ich hab’s ganz heimlich gelesen!), konnte es nur gut werden. So war es dann auch. Unsere Hundegruppe war bunt gemischt, vom frisch geretteten Waisenhund bis hin zum Profitherapiehund war alles dabei. Manche konnten schon ganz viel, andere ganz wenig, und wir konnten eben auch all das, was wir schon konnten. Es war eine sehr heiße Woche, und schließlich hatten wir ja irgendwie auch Urlaub, also ließen wir es relaxt angehen. Klar war, dass wir zwei Kleinen beim Zughundesport nicht mitmachen, denn wir sind ja wirklich ein wenig zu klein dafür. Auch Treibball ist nicht so unbedingt unsere Sache, weil meine Schwester Lilly einen Höllenrespekt vor größeren Bällen hat, seit ihr mal ein Fußball um die Ohren geflogen ist. Also verbrachten wir diese Stunde damit, den Ball nur ein bisschen zu stupsen, um das Leckerli darunter zu finden, während die anderen die Bälle nur so über die Wiese jagten. Auch recht. Ansonsten lernten wir neue Tricks, die wir für die Schule brauchen können, wie beispielsweise das Gummientenbringen oder einen wirklich kleinen Basketball so zu schubsen, dass er auf einem Buchstaben landet, mit dem die Kinder dann etwas machen müssen. Anja hat den Menschen auch ganz schön viel erklärt, sodass wir Hunde immer wieder Verschnaufpausen hatten. Bei der Hitze war das auch echt nötig! Meine Schwester Lilly saß am liebsten auf der A-Wand aus dem Agility, die auf dem Platz rumstand. Da hatte sie wohl die beste Aussicht.

 

Lustig war auch das Longieren: Da steht der Mensch in der Mitte eines Kreises und wir Hunde müssen außenherum laufen und über Hindernisse hüpfen. Ich fand das sehr unterhaltsam, weil sich unser Mensch wirklich dämlich angestellt hat. Meiner Schwester war das zu fad und sie zog ihre A-Wand vor. Unsere große Stunde kam an dem Tag, den unser Mensch am meisten gefürchtet hatte: die Zielobjektsuche. Nachdem unser Mensch uns ja immer für reichlich kurzriechig hält, erwartete sie eine Blamage. Aber wir waren so gut, da muss sich jeder Fährtensuchhund verstecken. Gut, das ist vielleicht etwas übertrieben, aber kurzriechig sind wir definitiv nicht! Wir sollten nämlich Gummientchen und andere Sachen finden, die nach unserem Menschen rochen. Ich habe zur Sicherheit immer wieder nachgefragt, ob ich weitersuchen soll, denn schließlich will hund ja auf keinen Fall einen Fehler machen und einen Keks aufs Spiel setzen! Die Menschen hatten dafür natürlich wie immer kein Verständnis und fanden das furchtbar lustig. Meine Schwester Lilly, die sich ja nie über irgendetwas Gedanken macht, lief einfach los und fand unsere Ente. Und das, ohne ein einziges Mal nachzufragen! Ich hätte mich das nicht getraut. Aber es ging ja alles gut und auch meine Schwester bekam ihren Keks. Für ihr riskantes Verhalten wurde sie sogar noch bewundert! „Selbstständigkeit“ nennen die Menschen das. Überhaupt fand unser Mensch Anjas Ideen so gut, dass sie immer wieder anderen Menschen davon erzählt. Da geht es dann um ein gewisses „System“ und andere Fremdwörter, aber zu viel will ich nicht verraten, denn ihr sollt ja mit euren Menschen selbst hinfahren und es euch erklären lassen!

 

Aus dieser Objektsucherei wurde letztlich ein superlustiges Spiel zwischen unserem Menschen und mir. Sie lässt etwas fallen (anfangs ein Spielzeug, später etwas Kniffligeres) und ich muss es suchen. Im Optimalfall habe ich unseren Menschen natürlich so sehr im Blick, dass es mir nicht entgeht, wenn sie wieder etwas fallen lässt, und ich muss nicht lang suchen. An Silvester waren wir dann aber auf einem Berg im Bayerischen Wald, und damit die Kraxelei etwas unterhaltsamer wurde, spielten wir dieses Spiel mit einem Tannenzapfen. Ihr werdet es nicht glauben, aber am Ende habe ich unseren Zapfen aus einem ganzen Haufen Tannenzapfen gefunden! Unser Mensch war ziemlich stolz. Die Sache mit der Kurzriechigkeit hat sich auf alle Fälle gegessen. Meine Schwester Lilly findet unser lustiges Spiel beim Gassigehen übrigens doof. Vielleicht liegt das ja am ADHS, sagt unser Mensch. Sie kann sich nämlich nicht so lang konzentrieren, und dann geht sie lieber wieder rumpieseln. Im Garten findet sie aber alle Spielzeuge, die unser Mensch so versteckt, kurzriechig ist sie also wohl auch nicht. Am meisten Spaß macht das, wenn unser Mensch und die Nachbarin den Schnee aus dem Hof auf einem Haufen zusammengschippt haben und wir dann in dem Haufen unsere Spielsachen suchen müssen. Unser Mensch behauptet ja nach wie vor steif und fest, dass ich das letzte nicht gefunden habe, weil ich die ganze Zeit draufgesessen bin. Das kann aber natürlich nicht stimmen.

 

Noch etwas ist nach unserem Urlaub passiert: Nachdem ich Labrador Hugo aus dem Hinterhalt ein bisschen in den Hinterschinken gezwickt hatte (und unser Mensch ihm als Entschuldigung unsere ganzen restlichen Käsekekse geschenkt hat – wie gemein), hatte ich wirklich fast keine Angst mehr vor anderen Hunden. Dieser Effekt hat sich aber leider schon wieder abgenutzt, denn wir haben seitdem zu viele Hunde getroffen, die uns gehetzt haben, also habe ich wieder ganz schön Angst. Daher hat unser Mensch den Urlaub im Seehotel Moldan inklusive Seminar bei Anja Jakob schon wieder gebucht. Dieses Mal müssen wir aber noch mehr Käsekekse mitnehmen, falls Hugo wieder kommt.

 

Urlaubsreife Grüße an euch alle!

 

 

Lunka und Lilly

 

 

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