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Passt ein Chinchilla zu mir?

Diese Frage kann vorab mit einem klaren „Nein“ beantwortet werden. Ein Chinchilla allein wird ihnen wenig Freude bringen und die Möglichkeit geben, es zu beobachten. Es wird wahrscheinlich recht dumpf vor sich hin vegetieren, voraussichtlich mit Verhaltensstörungen wie z.B. Fell beißen reagieren und evtl. sogar bissig werden. So werden sie bald die Freude an dem Tierchen verlieren.

Aus dem einen einfachen Grund: Chinchillas sind Rudeltiere und müssen mindestens zu zweit gehalten werden. In der freien Wildbahn leben sie in Gruppen bis zu 100 Tieren. Wenn man das als Hintergrund weiß, kann man sich vorstellen, was es für ein solches Tier heißen muss, alleine gehalten zu werden.

Chinchillas sind nicht für Kinder geeignet. Sie hassen es, auf den Arm genommen und gestreichelt zu werden. Eher reagieren sie mit Unruhe, wollen vom Arm runter und wenn das nicht gelingt, wird auch schon mal gezwickt.

Das allerhöchste, was sie erwarten können, ist, es unter dem Kinn kraulen zu dürfen. Sicher gibt es auch „zahme“ Chinchillas, die die Nähe ihres Menschen suchen und sowas wie ein Kuscheln entsteht. Das dauert aber meist Jahre und erfordert enorme Geduld. Chinchillas sind Charaktertiere und entscheiden selbst, in welchem Maße sie zutraulich werden wollen.

Hier eine Checkliste über Fragen, die ich mir vor einer Anschaffung stellen muss:

Bin ich bereit, mich die nächsten 20 Jahre um die Tiere  zu kümmern?

Ich habe auch schon Aussagen gehört wie: „Die werden ja eh nicht älter als 3-4 Jahre.“ Sollte das der Fall sein, liegt das an Haltungsfehlern und Unwissen über die possierlichen Tiere.

Diese Tiere gelten nicht umsonst als Exoten. Chinchillas sind in ihrer Ernährung und Haltung vor allem zu Beginn der Haltung sehr aufwändig.

Stört es mich nicht, dass Chinchillas hauptsächlich nachtaktiv sind?

Das heißt konkret, sie werden zwar tagsüber mal wach, um ein bisschen Heu zu knabbern oder etwas zu trinken, möchten aber möglichst nicht gestört werden. Sie sind sozusagen Morgenmuffel. Die Hauptaktivität eines Chinchillas beginnt in der Dämmerung und endet im Morgengrauen. In dieser Zeit wird gefressen, getrunken, geturnt, genagt und eventuell auch mit dem Partner gezankt. Dabei geht es, wie man sich vorstellen kann, nicht gerade leise zu. Deswegen ist davon abzuraten, das eigene Schlafzimmer für den Standort des Geheges auszusuchen. Es ist auch die traurige Geschichte eines einzeln gehaltenen Chinchillas bekannt, dass schlussendlich abgegeben wurde, weil es nachts immer so laut war!

Habe ich einen Raum zur Verfügung, in den ich ein großes Gehege, mindestens 2 m x 1,50 m x 1,50 m, hineinstellen kann?

Man muss dabei bedenken, je größer, desto besser, da die Tiere einen hohen Bewegungs- drang haben. Kann ich dies nicht gewährleisten, kommt es mit großer Wahrscheinlichkeit zu Verdauungsproblemen und Verhaltensauffälligkeiten. Im schlimmsten Fall beißen sich die Partner aufgrund der Enge gegenseitig und es kann zu schwerwiegenden Verletzungen kommen.

Gehege für Chinchillas kann man nicht so einfach im nächsten Zoofachgeschäft erwerben. Handelsübliche Käfige sind viel zu klein und die Plastikunterschale wird innerhalb kürzester Zeit angenagt. Vogelvolieren sind auch nur bedingt geeignet.

Am besten baut man ein Gehege selbst oder sucht sich jemanden, der das kann. Ideen dazu lassen sich im Internet finden.

So bitte nicht!

Habe ich nach einem anstrengenden Tag noch die Zeit und Geduld für ihre Betreuung?

Chinchillas verlieren bis zu 200 Köttel am Tag. Damit bekommt man eine Vorstellung davon, was jeden Abend anfällt:

  • Die Sitzbretter und die Häuschen abfegen
  • Ggf. Futterschüsseln ausspülen, sie werden auch gelegentlich nach dem Fressen als Toilette benutzt
  • Trinkflaschen bzw. Trinknäpfe ausspülen
  • Heu wechseln, dieses wird nach dem Fressen auch gerne verschmutzt
  • Das Sandbad wechseln bzw. durchsieben

Sand ist essentiell notwendig für die Tiere. Chinchillas reinigen und pflegen damit ihr Fell. Sie befreien sich damit von Schmutz und Fett, so dass sich Parasiten und Pilze gar nicht erst ansiedeln können. Das Sandbad wird allerdings auch gerne mal als Toilette benutzt. Dies darf aber kein Grund sein, den Tieren ihr Sandbad zu verweigern.

Regelmäßig muss das Einstreu gewechselt werden. Ansonsten kann es zu Lungenproblemen, Verdauungsproblemen und Parasitenbefall kommen.

Nach Möglichkeit sollten Chinchillas jeden Abend Freilauf bekommen. Es hält sie fit und beugt Verstopfung vor. Dabei lässt sich auch hervorragend beobachten, ob ein Chinchilla vital und gesund ist. Setzt es sich irgendwo apathisch in eine Ecke, stimmt etwas nicht. Es muss ein Tierarzt aufgesucht werden.

   Dem Chinchilla fehlt ein Sandbad

Praktischerweise gestaltet man den Freilauf so, dass der Anreiz durch ein sauberes Gehege und frisches Futter gegeben ist, schnellstmöglich in das Gehege zurück zu laufen. Ein sattes Chinchilla wird das nicht so schnell für notwendig erachten.

Allerdings haben Chinchillas auch nach geraumer Zeit nicht immer Lust, nach ihrem Freilauf sofort in das Gehege zum Fressen zurückzukehren. Dann ist definitiv Geduld gefragt. Falls man versucht ist, es einzufangen, darf man es niemals am Schwanz festhalten. Er kann abreißen!

Kann ich dem starken Nagetrieb gerecht werden?

Der Nagetrieb von Chinchillas ist nicht zu unterschätzen. Es hat sich schon manch einer über die schön geschwungenen Sitzbretter in einem Chinchillagehege gewundert, bis sich herausstellte, dass diese die Tiere in Nachtarbeit selbst gestaltet haben.

Im Freilauf ist deswegen darauf zu achten, dass sich Elektrokabel, teure Möbel, Bücher etc. außerhalb der Reichweite der freilaufenden Tiere befinden.

Chinchillas machen gerne einen sogenannten Probebiss. Mit diesem Biss wird geprüft, ob etwas essbar ist oder nicht. Es kann sich dabei auch mal um den Finger des Besitzers handeln. Dies ist in der Regel aber wenig schmerzhaft.

Bin ich bereit, die relativ hohen Kosten für Anschaffung, Haltung und Tierarztkosten zu tragen?

Chinchillas in einer Zoohandlung zu erwerben kosten zwischen 60 und 120 Euro pro Tier. Die Preise beim Züchter dürften dieselben sein. (Kann ich nicht weiter beurteilen, habe keines meiner Tiere gekauft). Im Tierheim wird eine Schutzgebühr verlangt. Diese fällt unterschiedlich zwischen 10-50 Euro aus.

Gehege, die man selbst baut, schlagen mit ca. 200 – 300 Euro zu Buche.

Tierarztkosten können ebenfalls ein Loch in die Haushaltskasse reißen. Da Chinchillas Narkosen schlecht vertragen, wird oft eine Inhalationsnarkose gemacht, die zwischen 60 und 100 Euro kosten kann. Dies gilt es zu bedenken, wenn man sich ein Pärchen zulegen möchte, wobei es dann sinnvoll (und einfacher) ist, das Männchen zu kastrieren. Die beiden zu trennen, wenn das Weibchen brünstig wird, ist für den Laien (und auch den erfahrenen Halter) unmöglich zu erkennen und bringt somit unerwünschten Nachwuchs mit sich. Noch dazu gibt es in der Gefangenschaft keine feste Zeit mehr, in die die Brunstzeit fällt.

Neuanschaffungen, wie Häuschen, Näpfe und weiteres Zubehör kosten zwischen 30 – 50 €. Hier sind aber keine Grenzen nach oben gesetzt!

Adäquates Futter, qualitativ hochwertiger Sand und Einstreu fallen dagegen dann mit ca. 30 Euro pro Nase und Monat ins Gewicht, wenn mehr als 2-4 Chinchillas gehalten werden, lohnt es sich Großpackungen zu erwerben, diese kosten dann ca. 10 – 15 € pro Chinchilla und Monat. Dahingehend sei erwähnt, dass gutes Futter und artgerechte Haltung die Tierarztbesuche auf ein Minimum einschränken können.

Bin ich bereit, meinen Tagesablauf umzustellen und zum Tierarzt zu fahren, wenn ein Tier krank ist?

Zum Thema Tierarzt lässt sich hierzu sagen, dass es im Vorfeld der Überlegungen, sich Chinchillas als Haustier zuzulegen, sinnvoll ist, sich vorab zu informieren, welcher Tierarzt sich mit Chinchillas auskennt. Es reicht nicht aus, das Wissen über Meerschweinchen und Kaninchen auf Chinchillas übertragen zu wollen. Sie gehören trotz wachsender Beliebtheit zu den Exoten unter den Nagern!

Chinchillas sind sehr Narkose – und Antibiotikaempfindlich. Ihr Stoffwechsel reagiert anders als der von Meerschweinchen und Kaninchen. Es ist schon manches Chinchillaböckchen bei der Kastration verstorben, weil es die Narkose nicht vertragen hat. Die Böcke haben die Fähigkeit, ihre Hoden in den Bauchraum zurückzuziehen. Somit ist es für den unerfahrenen Halter schwierig, herauszufinden, ob es sich um ein Männchen, ein kastriertes Männchen oder ein Weibchen handelt. Unwissende Tierärzte haben auch schon die Harnröhrenzapfen grundsätzlich als Penis bezeichnet. Diesen Zapfen besitzen allerdings beide Geschlechter! Der Unterschied lässt sich dadurch erkennen, dass, wenn man leichten Druck ausübt, sich bei den Männchen der Penis aus dem Zapfen herausschiebt.

Hier kann man nachfragen, wenn man einen Chin-erfahrenen Tierarzt in seiner Nähe sucht:

http://www.chinchilla-homepage.de/TEDDY_WUSEL/teddy_wusel.html.

Es gibt dort eine extra Unterrubrik : Chin-Tierarzt gefunden oder gesucht?

Last but not least, besteht evtl. eine Allergie auf die feinen Chinchillahaare, das Heu oder die Einstreu?

Bitte vor der Anschaffung abklären, ob man selbst oder ein Familienmitglied allergisch auf Chinchillas reagiert. Damit kann man sich und den Chinchillas Entäuschungen und Leid ersparen.

Wenn man das alles für sich positiv abgeklärt hat, ist die nächste Frage, was für Tiere sollen es sein?

  • Lege ich Wert auf eine bestimmte Farbe?
  • Möchte ich einen Ansprechpartner für die erste Zeit oder traue ich es mir alleine zu?

Bei dem Wunsch nach einer bestimmten Farbe und einem Ansprechpartner ist ein seriöser Züchter eine gute Adresse. Dort kann die Herkunft nachvollzogen und bei auftretenden Problemen Rat gesucht werden.

Dies ist bei Tieren aus dem Zoohandel oder dem Tierheim nicht unbedingt gegeben. Oftmals haben  Tiere aus dem Tierheim eine kleine Odyssee an Besitzern hinter sich und das Alter lässt sich auch nicht mehr recht nachvollziehen. Chinchillas sieht man ihr Alter nicht an. Es lässt sich auch nicht anhand der Zähne o.ä. feststellen.

Tiere in der Zoohandlung sind m.E. oft unnötigem Streß ausgesetzt. Sie werden meist  auf zu kleinem Raum gehalten und  auf ihren Tages-Nachtrhythmus kann keine Rücksicht genommen werden.

Gute Ansprechpartner sind auch sogenannte Chinchilla Auffangstationen, die man sortiert nach Postleitzahl hier findet: http://forum.chinchillas-in-not.de. Hier freuen sich junge und ältere Chinchillas auf ein neues Zuhause. Es wird dort auch gerne Hilfestellung verschiedenster Art gegeben, z.B. bei der Ernährung, Vergesellschaftung usw.

 

Buchempfehlung:

Heike Schmidt-Röger

Chinchillas aktiv – possierlich – flink

ISBN-10: 380014469

Autor:

Hallo, mein Name ist Sabine Maybaum, ich bin 36 Jahre alt und lebe zusammen mit meinem Mann, 5 Katzen, 2 Hasen, 3 Meerschweinchen, 9 Chinchillas und etlichen Fischen auf einem Aussiedlerhof. Zu den Chinchillas kam ich wie die Jungfrau zum Kinde. Im Herbst 2008 arbeitete ich als ungelernte Tierpflegerin in der Tierherberge Donzdorf. Dort befand sich zu der Zeit eine Gruppe Chinchillas, die ein Winterquartier suchten. Nach kurzer Rücksprache mit meinem Mann gewährten wir dieses bei uns zu Hause. Ich gab damals auch offen zu, von diesen Tieren keine Ahnung zu haben, nichts über deren Bedürfnisse zu wissen. Das mindeste, was ich wusste, war, Fressen: Pellets, Trinken: Wasser, besonderes Bedürfnis: Sandbad. Das war alles. Daheim merkte ich schnell, dass die Tiere nicht fit waren. Ein Tierheim bedeutet für diese Exoten immer besonderen Stress. Also ging es erst mal zum Tierarzt. Schnell musste ich feststellen, dass diese Tiere dort nicht besonders gut bekannt waren. Mein Ehrgeiz war geweckt mehr über diese Tiere zu erfahren! Nach einer langen Odyssee über Tierärzte, Internetseiten, Bücher und jeden nerven, der auch nur im entferntesten Ahnung von Chinchillas haben könnte, haben wir uns dann schlussendlich so in unsere kleinen Kobolde verliebt, dass wir sie nicht mehr weiter vermitteln konnten. Da die Informationen zum Teil nur zäh fließen, habe ich mich hier entschlossen, mein mühsam errungenes Wissen und die Erfahrungen zu teilen. Wichtig ist für mich dabei, mitzuteilen, dass die lieben Kleinen durchaus sehr interessant in ihrem Verhalten sind und keinesfalls so anspruchslos wie man im ersten Moment vielleicht glauben mag. Ich bekomme nur zu oft mit, dass Chinchillas irgendwo nicht mehr gewollt sind, weil man sich vorab nicht ausreichend informiert hat. Wenn ich meinen Beitrag dazu leisten kann, dass sich der eine oder die andere mehr Gedanken vor einer Anschaffung macht bzw. die Haltungsbedingungen für sein/e Chinchillas verbessert, ist das im Sinne der Chinchillas.

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