Veröffentlicht in Kleine Hunde ganz groß

Kleine Hunde ganz groß, Teil 1: Der schwer erziehbare Mensch

Hallo, liebe Hundekumpels und Hundemenschen! Mein Name ist Lunka, und ich wohne gemeinsam mit meiner Schwester Lilly und zwei Kaninchen (Das ist eine lange Geschichte…) seit nunmehr über vier Jahren in Deutschland.

In unserem ersten Lebensjahr ging es uns gar nicht gut, denn da waren wir Kettenhunde in der Slowakei. Man wollte uns sogar umbringen, aber irgendjemand war da Gott sei Dank schneller. Aber von dieser Zeit wissen wir nicht mehr viel, außer dass man mit Menschen eher vorsichtig sein sollte.

Jetzt geht es uns gut, finden wir. Unser Mensch ist ein Menschenweibchen, nicht alt, wahrscheinlich noch relativ jung, aber bei Menschen ist das ja bekanntlich etwas schwierig zu bestimmen. Mit meiner Schwester läuft’s meistens ziemlich gut, obwohl ich glaube, dass sie manchmal etwas schwer von Begriff ist. Unser Mensch sagt immer, sie hat ADS, und dafür ist sie der kleine Sporthund und ich bin der kleine Schlauhund, schließlich könne man nicht alles haben. Stimmt. Schlau bin ich, deswegen interessiere ich mich auch für unser schickes neues Notebook, das ich mir mit unserem Menschen teile.

Und damit wären wir auch schon beim Thema: Menschenerziehung. Denn, liebe Hundekumpels, seien wir mal ehrlich, das ist echt Schwerstarbeit. Unser Menschenweibchen ist zwar relativ schlau; aber stur ist sie schon auch. Obwohl, im Laufe der Jahre können wir schon etliche Erfolge verzeichnen. Wir haben es geschafft, sie auf Blicke zu konditionieren, und das funktioniert eigentlich recht gut. Beispielsweise hat sie schon begriffen, dass sie uns den Rücken massieren muss, wenn wir sie über die Schulter ansehen, und dass sie unsere Bettchen täglich aufschütteln muss, haben wir ihr auch schon beigebracht. Wie soll man sich denn sonst auch bitteschön ein Nest bauen?

Aber ein Thema haben wir immer noch nicht im Griff: den Futternapf. Anfangs war es ja so: Wir waren so ausgehungert, dass wir schon am ersten Abend auf Ernst um unser Futter gekämpft haben, als wir bemerkten, dass es da Nahrung gibt. Schließlich war das bisher immer so. Wir hatten uns so ineinander verbissen, dass unserem Menschen nichts Besseres einfiel, als uns unter die Dusche zu stellen und das eiskalte Wasser anzumachen. Gut, wir rauften tatsächlich auch da noch weiter, aber irgendwann fiel uns dann doch etwas auf, und dann waren wir sehr erschrocken. Im Nachhinein ist mir die ganze Sache etwas peinlich, aber das war eben die Macht der Gewohnheit. Ab dann gab es immer so viel zu fressen, dass wir wirklich keinen Grund mehr hatten uns zu streiten.

Meine Schwester Lilly witterte dann unserer Chance: Sie hörte auf Hundefutter zu essen. Tagelang verweigerte sie das Futter, sodass wir dann sogar beim Tierarzt waren. Ich musste meine Schwester echt bewundern, sie zog das zehn Tage lang durch. Früher oder später kam doch dann tatsächlich ein Wiener Würstchen ums Eck; das hätte sie dann schon gefressen, und um unseren Menschen zu bestätigen, half ich noch kräftig mit. Dummerweise funktionierte der Trick nicht. Letzten Endes saßen wir dann zu dritt um Lillys Futternapf, und ich schäme mich zwar etwas, aber als mir dann auch etwas vom Essen meiner Schwester angeboten wurde, konnte ich nicht widerstehen. „Futterneid“ nennen das die Menschen. Es hilft nichts, ich muss einfach alles essen, was ich bekomme. Lilly war entsetzt und begann wieder Hundefutter zu essen. Aber ein Gutes hatte unser Projekt doch: Jetzt bekommen wir immer einen Nachspeisenkeks, wenn wir unseren Napf leergegessen haben. Und manchmal schwindelt meine Schwester und behauptet, sie wäre schon fertig, und holt sich ihren Keks, obwohl sie noch Essen im Napf hat. So haben wir alle, was wir wollen.

Ihr seht also, liebe Hundekumpels: Konsequenz bei der Menschenerziehung lohnt sich!

Ein fröhliches Nuff an euch alle!

Lunka und Lilly

Autor:

Lunka und Lilly sind zwei kleine Mischlingshunde aus dem Tierheim Kezmarok am Fuße der Hohen Tatra in der nordöstlichen Slowakei. Sie kamen als einjährige Junghunde im Sommer 2008 nach Deutschland. Ihr Zustand war wie bei vielen Hunden aus dem Ausland nicht gut, obwohl es noch deutlich schlimmere Fälle gibt. Sie waren sehr mager und verängstigt. Gerade deshalb ist es immer wieder erstaunlich, wie sehr sich die beiden gemacht haben. Aus ihrem „ersten Leben“ weiß man nicht viel. Sie kamen wohl als Welpen noch an die Kette und fristeten so ihr erstes Lebensjahr. Als sie dann mit einem Jahr noch nicht furchteinflößend genug waren, wollte man sie wohl beseitigen. Genaues weiß man nicht, aber nachdem Plastiktüten und raschelnde Folien immer noch ein großes Problem sind, kann man sich wohl seinen Reim darauf machen. Allerdings werden Tüten, die möglicherweise Leckerlis enthalten, mittlerweile eher freudig begrüßt. Große Angst haben sie immer noch vor Männern mit Stöcken bzw. Angeln, vor sehr dominant auftretenden Menschen und Hunden sowie vor kleinen Kindern. Umso beachtlicher ist es, wie mutig sie schon geworden sind. Unseren kleinen Ausflug in die Welt der Schule haben sie sehr genossen; ebenso besuchen wir mittlerweile mit großer Begeisterung jeden zweiten Samstag ein Alten- und Pflegeheim für Demenzkranke. Es ist sehr anrührend zu beobachten, wie sehr sie auf die kranken Menschen eingehen. Interessanterweise lassen sie sich von diesen auch alles gefallen. Selbst wenn jemand etwas gröber ist, verzeihen sie das sofort und gehen auch sofort wieder zu demjenigen hin. Bei gesunden Menschen würden sie das nicht tun. Selbstverständlich gilt hier wie auch in allen anderen Bereichen, die wir uns nach und nach erobern: Sobald die beiden zeigen, dass sie sich unwohl fühlen, wird die möglicherweise stressbesetzte Situation unterbrochen. Auf diese Weise trauen sie sich nun immer mehr zu und so werden sie auch zu einem schönen Beispiel, was aus den ominösen „Tierschutzhunden aus dem Ausland“ alles werden kann. Das Tierheim Kezmarok ist in der sehr armen Region, in der es liegt, zumeist die einzige Chance für viele Hunde und Katzen. Selbstverständlich darf man sich dieses Asyl nicht vorstellen wie eines unserer deutschen Tierheime. Es gibt nicht auf dem ganzen Gelände Strom, und um eine Wasserleitung kämpfen wir seit Jahren. Seit letztem Sommer existiert immerhin ein Auslauf, denn bis dahin fristeten die Hunde den Großteil ihres Lebens im Zwinger. Es gibt keine nennenswerten Innenanlagen, d. h. wenn es im Winter bitterkalt wird (letzten Winter wochenlang um die -20 Grad!), wird das Überleben vor allem für kleinere und kurzhaarige Hunde schwierig. Die Katzen bewegen sich frei im Umland und kommen zum Füttern. Trotz dieser Zustände ist das Tierheim Kezmarok eine Lebensaufgabe für Idealisten, denn im Gegensatz zu den bekannten staatlichen Tierheimen wird dort immerhin kein Tier getötet, und die dortigen Mitarbeiter kümmern sich mit größtmöglicher Liebe und Zuwendung um die Tiere. Im Sommer 2011 wurde das Tierheim vom nahe gelegenen Gebirgsbach überschwemmt und zum großen Teil zerstört. Nur durch die beeindruckende Hilfe der dortigen Bevölkerung und den spontanen Einsatz deutscher Tierschutzvereine und durch viele Spenden aus Deutschland konnte es wieder aufgebaut werden. Die Tierhilfe Hohe Tatra Kezmarok e.V. ist ein sehr junger Verein, der sich der Unterstützung des Tierheims in Kezmarok verschrieben hat. Neben der Vermittlung von Hunden und Katzen ist ein Hauptziel, das Tierheim durch Spenden und tatkräftige Hilfe zu unterstützen. So wurde der Verein zu einer wichtigen Stütze für Tier und Mensch.

Ein Kommentar zu „Kleine Hunde ganz groß, Teil 1: Der schwer erziehbare Mensch

  1. Hallo Lunka und Lilly! Ich bin Kimba, ein Collie-Sheltie-Mix, und ich finde: Ihr seid tolle Hunde. Von Euch kann ich mit meinen neun Jahren ja noch den einen oder anderen Trick lernen. Aber was ich nicht verstehe, ist das mit dem Bett aufschütteln. Das finde ich komisch, denn ich mag das gar nicht und habe das meinem Frauchen schnell abgewöhnt, indem ich mich sofort wieder auf das Kissen drauf gelegt habe, sobald sie auch nur danach gegriffen hat. Jetzt tut ie das nicht mehr. Braves Frauchen! Nur hin und wieder kriegt sie einen Rappel: Da klaut sie mir doch tatsächlich das Kissen hinter meinem Rücken und stopft es in die Waschmaschine. Ich kann Euch sagen: Hinterher ist Frauchen zufrieden, aber ich habe jede Menge Arbeit bis das Kissen wieder nach mir riecht und gemütlich verknautscht ist. Wenn wir schon beim Menschen erziehen sind: Habt Ihr schon mal diesen Trick versucht? Frauchen will das Haus verlassen und ich verstecke mich dann an den unmöglichsten Stellen (unter der Eckbank, im Gartenhäuschen usw.), damit sie mich sucht und ein bisschen länger bei mir bleibt. Klappt jedes Mal. Viele Grüße, Euer Kimba.

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