Veröffentlicht in Kleine Hunde ganz groß

Kleine Hunde ganz groß, Teil 18: Im Schnee

Hallo, liebe Hundekumpels und Hundemenschen! Was gibt es Schöneres als Schnee? Jedes Jahr, wenn die weißen Flocken zum ersten Mal vom Himmel schweben, freue ich mich wie ein Welpe. Ich sause dann durch die Gegend und muss einfach überall nachsehen, ob auch hinter der nächsten Ecke noch mehr von dem wunderbaren Weiß liegt. Da kann ich nicht anders.

Unser Mensch findet das natürlich auch ganz amüsant, aber immer nur herumlaufen ist ja langweilig. Also versteckt sie uns manchmal unseren schönen lila Kong Wubba. Das ist ein sehr lustiges Spielzeug aus Plastik mit einem strapazierfähigen Stoff und so witzigen Fransen dran. Plastik mögen wir nicht in den Mund nehmen, also ist das mit dem Stoff ganz praktisch. Und wenn der Kong mal nass oder schmutzig wird, macht das auch nichts, denn den kann mensch ganz leicht abwischen oder auch in die Waschmaschine werfen, wenn es mal ganz arg wird. Heute ist unser Mensch krank, also können wir nicht lang spazieren gehen und spielen stattdessen dieses Kong-Versteckspiel. Da wir im Garten einen Schneehaufen haben, macht das natürlich besonders viel Spaß. Und ich muss zugeben, das ist viel schwerer als nur so im Garten zu suchen, denn unser Mensch meint, sie müsse das Ganze möglichst spannend machen, also verbuddelt sie den Kong so sehr im Schnee, dass hund nur noch ein ganz klitzekleines Stück von dem schönen lila Stoff sieht. Jeder halbwegs nasenbegabte Hund hält uns jetzt wahrscheinlich für zurückgeblieben, aber ich komm einfach nicht drauf, wie man solche Sachen mit der Nase sucht, und meine Schwester ist da noch tollpatschiger, denn sie ist ja noch dazu mit ADS geschlagen und hampelt über kürzer oder länger nur völlig bekloppt auf dem Schneehaufen herum. Und so bin ich wieder einmal vollkommen auf mich allein gestellt. Irgendwann sehe ich glücklicherweise immer ein kleines, wohlverdientes Stück lila Stoff, wenn nicht gerade meine Schwester Lilly draufsitzt. Das hat sie heute tatsächlich gebracht. Unglaublich! Und ich suche und suche und was macht unser Mensch? Na klar, lacht. Wie immer halt. Ja bin ich denn hier das Alleinunterhaltungsprogramm? Da will hund die gestellte Aufgabe möglichst pflichtbewusst erfüllen, und da wird hund auch noch ausgelacht, wenn die eigene dämliche Schwester… Entschuldigung, ich wiederhole mich. Lilly fand’s natürlich auch zum Piepen. Aber immer nur den Kong zu suchen ist ja auch langweilig. Manchmal bringen wir den auch einfach nur, weil wir ja jetzt apportieren können. Und egal, ob wir suchen oder apportieren, am Ende wartet ohnehin immer eine leckere Belohnung.

Auch wenn der eigene Mensch unfit ist, kann sich hund im Schnee ja vorzüglich selbst beschäftigen. Ihr wisst ja selbst, liebe Hundekumpels, wie lustig das ist. Da fühlt man sich wieder wie ein Welpe und kommt auf allerhand Albernheiten. Meistens wälze ich mich und tue so, als würde ich meine Schwester gleich auffressen wollen. Die macht das Gleiche von oben herab, und meistens kullern wir dann im herrlichen Weiß herum. Manchmal stecken wir auch die Nasen in den Schnee und schaufeln wie die Wilden oder wir graben Löcher. Ach, Schneezeit ist doch die schönste Zeit des Jahres! Da mag hund gar nicht mehr nach Hause gehen. Deswegen ist unser Mensch manchmal so nett und zieht uns Anoraks an, und so halten wir’s auch schon mal zwei Stunden oder länger aus.

Aber leider hat der Schnee auch seine Nachteile. Also, eigentlich ist es ja gar nicht der Schnee, sondern das, was die Menschen damit machen. Die meisten schaufeln ihre Gehwege ja frei und streuen Steinchen oder Sand. Es gibt jedoch leider etliche, die dieses Salz auf den Weg streuen, und das tut in den Pfoten ganz furchtbar weh, vor allem, wenn die Pfoten von den Steinchen schon etwas wund sind. Die Frage ist nur, was hund, oder besser gesagt mensch, da tun kann. Wir wohnen in der Vorstadt, also können wir nicht auf irgendwelche Feldwege ausweichen, ohne immer Auto zu fahren. Die letzten Jahre war es besonders schlimm, also hat uns unser Mensch Schuhe gekauft. Wir haben sehr lang im Internet gesucht und uns etliche Exemplare schicken lassen, aber nachdem wir so kleine Pfötchen haben, passen uns die meisten nicht. Viele gibt es gar nicht in so kleinen Größen, und andere rutschen einfach wieder herunter. Aber letztlich haben wir jetzt zwei verschiedene gefunden und unser Mensch hat gleich mehrere davon gekauft, damit wir einen Vorrat haben. Das sieht zwar etwas lustig aus, und meistens werden wir auch darauf angesprochen, aber solange unsere Pfötchen nicht mehr wehtun, sind wir schon wesentlich zufriedener. Und dann sollen die anderen ruhig lachen. Weil wir so lustig aussehen, ist uns auch etwas wirklich Komisches passiert: Lilly hatte einen ihrer Schuhe verloren, aber weil unser Mensch schon sehr viel Zeit mit Hundeschuhesuchen verbracht hat, haben wir immer Ersatz dabei. Also haben wir dieses Mal gar nicht erst gesucht. Ein paar Tage später, als wir dann wieder beschuht unterwegs waren, trafen wir eine befreundete Labradorhündin mit ihrem Menschenweibchen und die erzählte strahlend, dass ihr Hund den Schuh gefunden hätte. Sie hätte erst nicht gewusst, was das sei, aber nun war alles klar. So bekamen wir unseren verlorenen Schuh wieder. Klingt ja beinahe märchenhaft…

In diesem Sinne: Genießt den restlichen Schnee!

Ein Schneehundnuff an euch alle!

Lunka und Lilly

Autor:

Lunka und Lilly sind zwei kleine Mischlingshunde aus dem Tierheim Kezmarok am Fuße der Hohen Tatra in der nordöstlichen Slowakei. Sie kamen als einjährige Junghunde im Sommer 2008 nach Deutschland. Ihr Zustand war wie bei vielen Hunden aus dem Ausland nicht gut, obwohl es noch deutlich schlimmere Fälle gibt. Sie waren sehr mager und verängstigt. Gerade deshalb ist es immer wieder erstaunlich, wie sehr sich die beiden gemacht haben. Aus ihrem „ersten Leben“ weiß man nicht viel. Sie kamen wohl als Welpen noch an die Kette und fristeten so ihr erstes Lebensjahr. Als sie dann mit einem Jahr noch nicht furchteinflößend genug waren, wollte man sie wohl beseitigen. Genaues weiß man nicht, aber nachdem Plastiktüten und raschelnde Folien immer noch ein großes Problem sind, kann man sich wohl seinen Reim darauf machen. Allerdings werden Tüten, die möglicherweise Leckerlis enthalten, mittlerweile eher freudig begrüßt. Große Angst haben sie immer noch vor Männern mit Stöcken bzw. Angeln, vor sehr dominant auftretenden Menschen und Hunden sowie vor kleinen Kindern. Umso beachtlicher ist es, wie mutig sie schon geworden sind. Unseren kleinen Ausflug in die Welt der Schule haben sie sehr genossen; ebenso besuchen wir mittlerweile mit großer Begeisterung jeden zweiten Samstag ein Alten- und Pflegeheim für Demenzkranke. Es ist sehr anrührend zu beobachten, wie sehr sie auf die kranken Menschen eingehen. Interessanterweise lassen sie sich von diesen auch alles gefallen. Selbst wenn jemand etwas gröber ist, verzeihen sie das sofort und gehen auch sofort wieder zu demjenigen hin. Bei gesunden Menschen würden sie das nicht tun. Selbstverständlich gilt hier wie auch in allen anderen Bereichen, die wir uns nach und nach erobern: Sobald die beiden zeigen, dass sie sich unwohl fühlen, wird die möglicherweise stressbesetzte Situation unterbrochen. Auf diese Weise trauen sie sich nun immer mehr zu und so werden sie auch zu einem schönen Beispiel, was aus den ominösen „Tierschutzhunden aus dem Ausland“ alles werden kann. Das Tierheim Kezmarok ist in der sehr armen Region, in der es liegt, zumeist die einzige Chance für viele Hunde und Katzen. Selbstverständlich darf man sich dieses Asyl nicht vorstellen wie eines unserer deutschen Tierheime. Es gibt nicht auf dem ganzen Gelände Strom, und um eine Wasserleitung kämpfen wir seit Jahren. Seit letztem Sommer existiert immerhin ein Auslauf, denn bis dahin fristeten die Hunde den Großteil ihres Lebens im Zwinger. Es gibt keine nennenswerten Innenanlagen, d. h. wenn es im Winter bitterkalt wird (letzten Winter wochenlang um die -20 Grad!), wird das Überleben vor allem für kleinere und kurzhaarige Hunde schwierig. Die Katzen bewegen sich frei im Umland und kommen zum Füttern. Trotz dieser Zustände ist das Tierheim Kezmarok eine Lebensaufgabe für Idealisten, denn im Gegensatz zu den bekannten staatlichen Tierheimen wird dort immerhin kein Tier getötet, und die dortigen Mitarbeiter kümmern sich mit größtmöglicher Liebe und Zuwendung um die Tiere. Im Sommer 2011 wurde das Tierheim vom nahe gelegenen Gebirgsbach überschwemmt und zum großen Teil zerstört. Nur durch die beeindruckende Hilfe der dortigen Bevölkerung und den spontanen Einsatz deutscher Tierschutzvereine und durch viele Spenden aus Deutschland konnte es wieder aufgebaut werden. Die Tierhilfe Hohe Tatra Kezmarok e.V. ist ein sehr junger Verein, der sich der Unterstützung des Tierheims in Kezmarok verschrieben hat. Neben der Vermittlung von Hunden und Katzen ist ein Hauptziel, das Tierheim durch Spenden und tatkräftige Hilfe zu unterstützen. So wurde der Verein zu einer wichtigen Stütze für Tier und Mensch.

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