Veröffentlicht in Kleine Hunde ganz groß

Kleine Hunde ganz groß, Teil 21: Die Sache mit der Hundeerziehung

Hallo, liebe Hundekumpels und Hundemenschen! Gerade läuft bei uns im Fernsehen wieder eine dieser Sendungen, in der es um Hundeerziehung geht. Da sind furchtbar wütende kleine Hunde, die ihre eigenen Menschen anfallen, andere, die Skateboards jagen, und wieder andere, die im eigenen Rudel permanent Streit suchen. Mich fasziniert das, also möchte ich mit euch heute ein wenig über Hundeerziehung nachdenken, denn, liebe Hundekumpels, vermutlich hat das euer Mensch mit euch auch in irgendeiner Form gemacht. Mittlerweile gibt es aber so viel, was Mensch und Hund diesbezüglich hören, sehen und erleben, dass es wirklich verwirrend wird. Das Spektrum reicht von der mehr oder weniger körperlichen Unterdrückung bis zur Selbstverwirklichung des Hundes gemeinsam mit dem Menschen, und dazwischen gibt es hunderte andere Varianten, die alle versprechen, die Weisheit gepachtet zu haben.

Was also tun? Wir als kleine Hunde, die schon viel Schlimmes durch Menschen erfahren mussten, sind für diese ganze Erziehungsproblematik schon sehr sensibilisiert. Wir sehen auch beim täglichen Spaziergang so vieles, über das wir uns eine Meinung machen, und auch unser Mensch ist wahlweise entweder entsetzt oder beeindruckt. Mit einem sollten wir uns aber bitte einig sein: Alles, was uns Hunde Schmerzen zufügt, sei es Stachelhalsband, Würgehalsband oder dieses merkwürdige „Erziehungsgeschirr“ oder auch dieses ewige Herumreißen an der Leine, sollte absolut verboten sein. Allerdings kann es auch nicht sein, dass manche unserer Hundekumpels zu ihren Menschen eine so geringe Bindung haben, dass sie gar nicht hören, wenn man sie ruft, oder dass sich Mensch und Hund gegenseitig nicht vertrauen können. Beides ist unerfreulich, denn entweder bringt der Hund sich selbst oder andere in Gefahr oder er darf gar nicht mehr erst von der Leine, was ja auch nicht unbedingt ein schönes Leben ist.

Jetzt sind wir aber immer noch nicht weiter. Was ist denn eigentlich diese Erziehung? Wir beide haben das Ganze sehr elegant gelöst, finden wir. Wir haben nach unserer Ankunft recht schnell verstanden, dass unser Mensch die Sache hier in unserem neuen Zuhause im Griff hat, also ging das mit der Bindung anfangs ganz flott. Nachdem wir aber noch gar nichts kannten und konnten, wurde es eine echte Aufgabe für unseren Menschen, uns alles zu zeigen und uns klarzumachen, dass wir nicht permanent in Lebensgefahr waren. Denn wenn hund diese Meinung erst einmal verinnerlicht hat, bekommt einen mensch nicht so einfach wieder vom Gegenteil überzeugt. Zunächst hat unser Mensch es mit leckeren Guttis versucht. Das ging aber gewaltig in die Hose, denn wir waren ja so ausgehungert, dass wir nur noch ans Essen wollten, völlig egal wie. Also wurden die leckeren Sachen erst einmal wieder abgeschafft und wir lernten die ganzen Grundkommandos mit Zuwendung und Streicheleinheiten. Und weil es keine von uns aushält, wenn die anderer das ganze Lob einheimst, konnten wir alles recht schnell. Vieles haben wir uns auch selbst überlegt. Meine Schwester Lilly hat sich beispielsweise ausgedacht, dass sie „bei Fuß“ gehen möchte. Ich habe unserem Menschen beigebracht, dass ein „Sitz!“ oder ein „Platz!“ noch lange nicht heißt, dass hund an einer Stelle bleiben muss. Ich kann mich nämlich bewegen, ohne mich zu bewegen. Letztlich habe ich das auch aufgegeben, obwohl es sehr lustig war. Zu Anfang ging also alles über Zuwendung bei uns. Allerdings war unser Mensch bei manchen Dingen auch recht streng. Manche Ängste mussten wir einfach aushalten, und so verbrachten wir einige Zeit damit, uns Dinge und Menschen anzusehen. Auch ins Menschenbett durften wir noch nicht. Aber das haben wir mittlerweile selbstverständlich anders geregelt.

Eines Tages erkannte unser Mensch, dass wir unterbeschäftigt waren. Das mag damit zusammenhängen, dass wir 24 Rollen Klopapier großzügig über die ganze Wohnung verteilt haben, muss aber nicht. Also begann die Zeit der Hundeschule. So ganz logisch erschien uns das nicht, denn die ganzen Grundlagen konnten wir ja schon. Aber unser Mensch meinte, wenn wir später einmal Agility machen wollen, muss das sein. Und so machten wir unseren Begleithundekurs. Das war irgendwo auch ganz lustig, aber für uns änderte sich vor allem eines: Ab jetzt bekamen wir auch Guttis! Gut, wir waren jetzt nicht mehr so ausgehungert, dass wir beim Anblick von Futter völlig hirnlos wurden. Wie auch immer, wir begrüßten diese Entwicklung sehr. Ihr seht also: Auch in unserem Hundeschulkurs wurde viel gelobt und gemampft. Allerdings fiel den Menschen gegenüber auch häufig der Satz: „Setz dich durch!“ Also, nie bei uns, denn wir wollten ja unbedingt immer alles richtig machen. Aber einmal flog einem anderen Hund tatsächlich eine Leine hinterher, weil der partout nicht hören wollte. Danach war er dann so beeindruckt, dass es wieder weitergehen konnte. Wir waren sogar so brav, dass unser Mensch kurz vor der Prüfung etwas nervös wurde. Bei der einen Übung, wo hund sitzen bleiben muss, bis der Mensch ihn ruft, wollten wir nicht mehr aufstehen, weil alle anderen so oft davongelaufen waren und geschimpft bekommen hatten, dass wir uns jetzt echt nicht mehr sicher waren. In der Prüfung lief dann aber alles glatt. Jetzt können wir also allerhand Spaßkurse machen, wobei wir fast lieber zuhause lernen. Wenn unser Mensch fragt, ob wir tricksen wollen, stehen wir schon mit maximal wedelndem Schwanz bereit, denn hund kann schließlich nie genug gelernt haben, vor allem, wenn es leckeren Käse oder Hühnchen gibt.

So haben also wir gelernt. Viel Lob, leckeres Essen und ab und zu tatsächlich auch eine klare Ansage. Aber auch unser Mensch lernte auf die Art, uns besser zu verstehen. Und das schönste Geschenk für Mensch und Hund ist doch, wenn man etwas gemeinsam tun kann, sei es tricksen, apportieren oder gehorchen.

Es bleibt die Frage: Wie ist das jetzt mit der Erziehung? Welche Methode ist die beste? Wir finden, unsere Variante hat für uns am besten funktioniert, und in etwa so sollte es auch allen anderen Hunden gehen. Natürlich ist jeder Hund anders und jeder Mensch auch, aber mit positiver Verstärkung, wie es die Menschen nennen, sollte bei jedem Mensch-Hund-Team etwas zu machen sein. Und das Tollste dabei ist: Hund und Mensch entwickeln eine richtig gute Freundschaft.

So ist das bei uns. Und ihr? Schreibt uns doch, wie ihr das mit der Hundeerziehung so seht! Vielleicht habt ihr ja auch ein paar gute Tipps zur Menschenerziehung! Schließlich lernt hund nie aus!

Ein Sitzplatzausnuff an euch alle!

Lunka und Lilly

Autor:

Lunka und Lilly sind zwei kleine Mischlingshunde aus dem Tierheim Kezmarok am Fuße der Hohen Tatra in der nordöstlichen Slowakei. Sie kamen als einjährige Junghunde im Sommer 2008 nach Deutschland. Ihr Zustand war wie bei vielen Hunden aus dem Ausland nicht gut, obwohl es noch deutlich schlimmere Fälle gibt. Sie waren sehr mager und verängstigt. Gerade deshalb ist es immer wieder erstaunlich, wie sehr sich die beiden gemacht haben. Aus ihrem „ersten Leben“ weiß man nicht viel. Sie kamen wohl als Welpen noch an die Kette und fristeten so ihr erstes Lebensjahr. Als sie dann mit einem Jahr noch nicht furchteinflößend genug waren, wollte man sie wohl beseitigen. Genaues weiß man nicht, aber nachdem Plastiktüten und raschelnde Folien immer noch ein großes Problem sind, kann man sich wohl seinen Reim darauf machen. Allerdings werden Tüten, die möglicherweise Leckerlis enthalten, mittlerweile eher freudig begrüßt. Große Angst haben sie immer noch vor Männern mit Stöcken bzw. Angeln, vor sehr dominant auftretenden Menschen und Hunden sowie vor kleinen Kindern. Umso beachtlicher ist es, wie mutig sie schon geworden sind. Unseren kleinen Ausflug in die Welt der Schule haben sie sehr genossen; ebenso besuchen wir mittlerweile mit großer Begeisterung jeden zweiten Samstag ein Alten- und Pflegeheim für Demenzkranke. Es ist sehr anrührend zu beobachten, wie sehr sie auf die kranken Menschen eingehen. Interessanterweise lassen sie sich von diesen auch alles gefallen. Selbst wenn jemand etwas gröber ist, verzeihen sie das sofort und gehen auch sofort wieder zu demjenigen hin. Bei gesunden Menschen würden sie das nicht tun. Selbstverständlich gilt hier wie auch in allen anderen Bereichen, die wir uns nach und nach erobern: Sobald die beiden zeigen, dass sie sich unwohl fühlen, wird die möglicherweise stressbesetzte Situation unterbrochen. Auf diese Weise trauen sie sich nun immer mehr zu und so werden sie auch zu einem schönen Beispiel, was aus den ominösen „Tierschutzhunden aus dem Ausland“ alles werden kann. Das Tierheim Kezmarok ist in der sehr armen Region, in der es liegt, zumeist die einzige Chance für viele Hunde und Katzen. Selbstverständlich darf man sich dieses Asyl nicht vorstellen wie eines unserer deutschen Tierheime. Es gibt nicht auf dem ganzen Gelände Strom, und um eine Wasserleitung kämpfen wir seit Jahren. Seit letztem Sommer existiert immerhin ein Auslauf, denn bis dahin fristeten die Hunde den Großteil ihres Lebens im Zwinger. Es gibt keine nennenswerten Innenanlagen, d. h. wenn es im Winter bitterkalt wird (letzten Winter wochenlang um die -20 Grad!), wird das Überleben vor allem für kleinere und kurzhaarige Hunde schwierig. Die Katzen bewegen sich frei im Umland und kommen zum Füttern. Trotz dieser Zustände ist das Tierheim Kezmarok eine Lebensaufgabe für Idealisten, denn im Gegensatz zu den bekannten staatlichen Tierheimen wird dort immerhin kein Tier getötet, und die dortigen Mitarbeiter kümmern sich mit größtmöglicher Liebe und Zuwendung um die Tiere. Im Sommer 2011 wurde das Tierheim vom nahe gelegenen Gebirgsbach überschwemmt und zum großen Teil zerstört. Nur durch die beeindruckende Hilfe der dortigen Bevölkerung und den spontanen Einsatz deutscher Tierschutzvereine und durch viele Spenden aus Deutschland konnte es wieder aufgebaut werden. Die Tierhilfe Hohe Tatra Kezmarok e.V. ist ein sehr junger Verein, der sich der Unterstützung des Tierheims in Kezmarok verschrieben hat. Neben der Vermittlung von Hunden und Katzen ist ein Hauptziel, das Tierheim durch Spenden und tatkräftige Hilfe zu unterstützen. So wurde der Verein zu einer wichtigen Stütze für Tier und Mensch.

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