Veröffentlicht in Kleine Hunde ganz groß

Kleine Hunde ganz groß, Teil 32: Kinder, Kinder…

Hallo, liebe Hundekumpels und Hundemenschen!

SchulhundeWie ihr wisst, hat jeder Hund einen Beruf. Manche sind Wachhunde, andere fangen Mäuse und anderes Viechzeug, wieder andere passen auf Schafe auf und wir alle kümmern uns natürlich um unsere Menschen und achten darauf, dass sie auch artgerecht beschäftigt und gepflegt werden. So gesehen hat jeder Hund mehrere Berufe. Wir haben mittlerweile drei.

Unser Hauptberuf ist natürlich, dass wir uns um unseren Menschen und die Kaninchen kümmern und dass wir auf unser Haus und das restliche Revier aufpassen. Letzteres ist natürlich eher mein Job, da ist meine Schwester Lunka nicht unbedingt zu gebrauchen. Aber dafür beschäftigt sie sich mehr mit den Kaninchen und wir beide achten auf unseren Menschen. Das wäre für einen Hund alleine ja gar nicht zu bewältigen. Von unserem zweiten Job haben wir euch auch schon erzählt: Wir besuchen die alten und kranken Menschen. Vorgestern war es wieder besonders lustig. Beim schönen Wetter dürfen die alten Menschen auch nach draußen in einen hübschen Park. Dann werfen sie unseren Futterbeutel mit den ganzen leckeren Keksen und wir bringen ihn dann. Mittlerweile legen wir ihn den alten Leuten auf die Knie und die können ihn dann nehmen. Das ist doch recht lustig. Meine Schwester Lunka ist auch ganz groß im Zuhören. Manche wollen uns nämlich nicht anfassen und dann setzt sich Lunka eben einfach daneben und hört zu. Die meisten Menschen meinen nämlich, dass das, was die alten Leute sagen, überhaupt keinen Sinn mehr macht, aber dabei verstehen sie nicht, was die alten Leute eigentlich sagen, wenn man die Wörter mal weglässt. Das weiß ja sogar ich, doch das mit dem Zuhören ist eher Lunkas Ding.

 

Seit diesem Jahr, seit nach den Weihnachtsferien, haben wir dann noch einen weiteren Beruf: Wir sind Schulhunde! Erinnert ihr euch an die Zirkusshow, in der wir mal die Raubtiernummer waren? Das hat uns so viel Spaß gemacht, dass wir jetzt einmal in der Woche den ganzen Vormittag in die Schule mitkommen dürfen. Am Abend vorher legt unser Mensch schon den Schulhundrucksack zurecht mit unseren Keksen und unserer Decke und so. Dann können wir manchmal schon ganz schlecht schlafen vor lauter Aufregung. Normalerweise kriegen mich morgens ja keine zehn Kekse aus dem Bett, aber an Schulhundtagen sprinte ich ganz freiwillig zur Wohnungstür und wedle schon ganz fest, damit sich unser Mensch beeilt.

 

Manchmal treffen wir morgens den Chef von der Schule. Das ist ein ganz arg netter, und ab und zu dürfen wir ihn auch begrüßen, wenn er nicht zu sehr gestresst ist. Dabei landen auch schon mal ein paar Pfotentapser auf seiner schwarzen Anzughose. Unserem Menschen ist das immer furchtbar peinlich, aber er findet das anscheinend gar nicht schlimm. Wenn wir dann im Klassenzimmer bei den Kindern sind, müssen wir immer erst auf der Decke warten. Das halte ich kaum aus, denn ich will doch meine Kinder begrüßen! Meine Schwester Lunka sagt immer, ich soll halt ein bisschen warten, die Kinder müssten doch erst alle hereinkommen und sich mit unserem Menschen begrüßen, aber ich halte es echt kaum aus. Und außerdem gibt es da diese Regel, dass die Kinder uns nicht anfassen dürfen, wenn wir auf der Decke liegen. Eine blöde Regel. Eigentlich war die wohl dazu gedacht, uns zu schützen, damit wir auch mal Ruhe haben, aber was, wenn ich die gar nicht will, die Ruhe? Dann kommt endlich das Kommando und wir sprinten los. Wir dürfen jedes Kind, das uns begrüßen will, auch begrüßen. Mit manchen machen wir dann einen Trick oder zwei und mit anderen spielen wir nur ein bisschen oder wir machen Quatsch. Auf alle Fälle gibt es immer Kekse und es ist sehr, sehr lustig. Manche Kinder wollen, dass wir uns auf die Stühle neben ihnen setzen. Das kennen wir schon aus dem Altersheim, also ist das nichts Neues für uns. Meine Schwester hat dabei aus Versehen einmal ein bisschen in ein Schulbuch gesabbert, aber nur ein klitzekleines bisschen, und eigentlich darf ich das gar nicht erzählen, sonst beißt sie mich wieder ins Schwänzchen. Wenn die Kinder lernen müssen, machen wir es uns auf unserer Decke gemütlich, und manchmal dürfen wir auch mitmachen und ein wenig herumlaufen. Aber nur, wenn es passt.

 

An einem Tag war aber alles anders. Die Kinder waren so furchtbar aufgeregt und wir durften gar niemanden begrüßen, sondern wir mussten gleich auf unsere Decke. Und die Kinder waren auch auf einmal ganz still und alle haben geschrieben und geschrieben. Unser Mensch hat das Geschriebene dann mit nach Hause genommen und korrigiert, also war es wohl eine Prüfung oder so etwas Ähnliches. Nachdem an diesem Tag zwei Klassen so eine Prüfung schreiben mussten, wurde es uns irgendwann schon ein wenig langweilig. Alles war so leise und keiner kümmerte sich um uns. Meine Schwester Lunka war nach einer Weile eingeschlafen, und ich versuchte, möglichst bedeutungsvoll zu seufzen, aber es half alles nichts. Also musste ich mir eben selbst eine Beschäftigung suchen. Ich schlich ganz leise und unauffällig hinter meinem Menschen vorbei bis zu einem meiner Lieblingskinder. Dieses Kind mag ich besonders gern, weil ich am Anfang mal sein gaaanzes Gesicht putzen durfte, und bis unser Mensch bemerkt hatte, was los war, war das Kind schon reichlich sauber. Es sollte sich dann zwar das Gesicht gründlichst mit Seife waschen, aber so sind die Menschen halt. Also, zu diesem Kind tapste ich hin, ganz unauffällig und heimlich, und als ich dann endlich dort war, musste ich nicht lange überlegen, denn das Kind hatte praktischerweise kurze Hosen an. Ihr könnt euch sicher denken, was mir da durch den Kopf schoss: Ich schleckte das nette Kind ganz vorsichtig am Knie ab. Ich hatte mir überlegt, dass es vielleicht wieder Lust auf ein klein wenig Blödsinn hatte. Mein Plan ging aber leider gründlich schief. Das Kind erschrak so sehr, dass es wie ein kleines Ferkel quietschte und alle anderen auch ganz furchtbar erschraken. Ich wusste in dem Moment auch nicht so ganz, was ich tun sollte, also versuchte ich es mit zuversichtlichem Wedeln. Es half aber nichts, mein Mensch schimpfte und ich musste auf die Decke. Anscheinend hatte ich Glück, denn die Kinder waren eigentlich schon fertig mit der Prüfung, sonst hätte ich wohl wirklich Ärger bekommen.

 

Am schönsten sind immer die Pausen. Das sind die Zeiten, wenn wir uns richtig um die Kinder kümmern können. Meine Schwester Lunka macht einen Trick nach dem nächsten und ihr Lieblingskind hat mittlerweile in einen Flummiball investiert, den sie immer wie eine Verrückte über den ganzen Pausenhof jagt. Ich weiß ja nicht… Sie will noch nicht einmal einen Keks dafür, und die Kinder finden es sehr lustig. Ich für meinen Teil habe nicht mehr so viel Lust auf Tricks, wenn es so warm ist, und dann lasse ich manchmal auch schon ein Kind stehen und schaue, ob mich jemand streicheln will. Da findet sich immer jemand, und ich versuche an das eine oder andere Pausenbrot zu kommen, aber aus irgendeinem Grund schaffe ich das nicht. Vielleicht hat es unser Mensch ja verboten und ich habe es nicht gemerkt. Aber das macht nichts, wir haben ja genug Kekse. Und manchmal bringe ich den Kindern auch einen Trick bei. Seit letzter Woche können sie „High Five!“ Das ist, wenn sie die Hände hochhalten, damit ich mit meinen Vorderpfoten einschlagen kann. Es sind schon recht schlaue Kinder.

 

Am Ende eines solchen Schulhundtages sind wir alle immer fix und fertig. Die Kinder haben sich ausgetobt und wir drei auch, sodass wir mit unserem Menschen daheim nur noch ein ganz kleines bisschen Gassi gehen, und dann fallen wir auch schon ins Bett und träumen von den Schulhundkeksen und den ganzen Kindern. Ganz ehrlich, ich könnte mich nicht entscheiden, was ich lieber mache, die alten Leute besuchen oder mich um die Kinder kümmern, und meiner Schwester geht es ähnlich. Meine Schwester Lunka war in den letzten Ferien so traurig, weil ihr die Kinder gefehlt haben, dass unser Mensch mir ihr sogar zur Tierärztin gegangen ist, aber die konnte logischerweise auch nichts finden. Als wir unsere Kinder dann wiederhatten, war alles wieder gut. Liebe Hundekumpels, vielleicht könnt ihr eure Menschen ja davon überzeugen, dass ihr auch so etwas machen wollt! Probiert es doch einfach einmal aus, ob ihr euch auch um andere Menschen ein wenig kümmern könnt, denn es ist eine wirklich lohnende Aufgabe.

 

 

Ein sehr zufriedenes Nuff an euch alle!

 

Lilly und Lunka

 

 

Autor:

Lunka und Lilly sind zwei kleine Mischlingshunde aus dem Tierheim Kezmarok am Fuße der Hohen Tatra in der nordöstlichen Slowakei. Sie kamen als einjährige Junghunde im Sommer 2008 nach Deutschland. Ihr Zustand war wie bei vielen Hunden aus dem Ausland nicht gut, obwohl es noch deutlich schlimmere Fälle gibt. Sie waren sehr mager und verängstigt. Gerade deshalb ist es immer wieder erstaunlich, wie sehr sich die beiden gemacht haben. Aus ihrem „ersten Leben“ weiß man nicht viel. Sie kamen wohl als Welpen noch an die Kette und fristeten so ihr erstes Lebensjahr. Als sie dann mit einem Jahr noch nicht furchteinflößend genug waren, wollte man sie wohl beseitigen. Genaues weiß man nicht, aber nachdem Plastiktüten und raschelnde Folien immer noch ein großes Problem sind, kann man sich wohl seinen Reim darauf machen. Allerdings werden Tüten, die möglicherweise Leckerlis enthalten, mittlerweile eher freudig begrüßt. Große Angst haben sie immer noch vor Männern mit Stöcken bzw. Angeln, vor sehr dominant auftretenden Menschen und Hunden sowie vor kleinen Kindern. Umso beachtlicher ist es, wie mutig sie schon geworden sind. Unseren kleinen Ausflug in die Welt der Schule haben sie sehr genossen; ebenso besuchen wir mittlerweile mit großer Begeisterung jeden zweiten Samstag ein Alten- und Pflegeheim für Demenzkranke. Es ist sehr anrührend zu beobachten, wie sehr sie auf die kranken Menschen eingehen. Interessanterweise lassen sie sich von diesen auch alles gefallen. Selbst wenn jemand etwas gröber ist, verzeihen sie das sofort und gehen auch sofort wieder zu demjenigen hin. Bei gesunden Menschen würden sie das nicht tun. Selbstverständlich gilt hier wie auch in allen anderen Bereichen, die wir uns nach und nach erobern: Sobald die beiden zeigen, dass sie sich unwohl fühlen, wird die möglicherweise stressbesetzte Situation unterbrochen. Auf diese Weise trauen sie sich nun immer mehr zu und so werden sie auch zu einem schönen Beispiel, was aus den ominösen „Tierschutzhunden aus dem Ausland“ alles werden kann. Das Tierheim Kezmarok ist in der sehr armen Region, in der es liegt, zumeist die einzige Chance für viele Hunde und Katzen. Selbstverständlich darf man sich dieses Asyl nicht vorstellen wie eines unserer deutschen Tierheime. Es gibt nicht auf dem ganzen Gelände Strom, und um eine Wasserleitung kämpfen wir seit Jahren. Seit letztem Sommer existiert immerhin ein Auslauf, denn bis dahin fristeten die Hunde den Großteil ihres Lebens im Zwinger. Es gibt keine nennenswerten Innenanlagen, d. h. wenn es im Winter bitterkalt wird (letzten Winter wochenlang um die -20 Grad!), wird das Überleben vor allem für kleinere und kurzhaarige Hunde schwierig. Die Katzen bewegen sich frei im Umland und kommen zum Füttern. Trotz dieser Zustände ist das Tierheim Kezmarok eine Lebensaufgabe für Idealisten, denn im Gegensatz zu den bekannten staatlichen Tierheimen wird dort immerhin kein Tier getötet, und die dortigen Mitarbeiter kümmern sich mit größtmöglicher Liebe und Zuwendung um die Tiere. Im Sommer 2011 wurde das Tierheim vom nahe gelegenen Gebirgsbach überschwemmt und zum großen Teil zerstört. Nur durch die beeindruckende Hilfe der dortigen Bevölkerung und den spontanen Einsatz deutscher Tierschutzvereine und durch viele Spenden aus Deutschland konnte es wieder aufgebaut werden. Die Tierhilfe Hohe Tatra Kezmarok e.V. ist ein sehr junger Verein, der sich der Unterstützung des Tierheims in Kezmarok verschrieben hat. Neben der Vermittlung von Hunden und Katzen ist ein Hauptziel, das Tierheim durch Spenden und tatkräftige Hilfe zu unterstützen. So wurde der Verein zu einer wichtigen Stütze für Tier und Mensch.

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