Veröffentlicht in Kleine Hunde ganz groß

Kleine Hunde ganz groß, Teil 31: Land unter!

Hallo, liebe Hundekumpels und Hundemenschen!

Das war vielleicht eine Aufregung! Vor ein paar Wochen, kurz nach unseren letzten Ferien (ach, Ferien…), ging bei uns auf einmal die Welt unter. Gemerkt habe icHochwasserh es, als ich mittags ganz normal an einem meiner Pipifleckchen am Fluss gepieselt habe und ich dasselbe Fleckchen dann abends nicht um viele Hundekekse mehr finden konnte. Das war vielleicht blöd. Ich habe echt ein klein wenig gebraucht, bis ich verstanden habe, was da passiert war: Wasser! Wasser und noch viel mehr Wasser! Gut, wir sind ja Hochwasser gewohnt, denn unsere Gassistrecke geht ja regelmäßig unter, aber so hoch war das Wasser dann doch noch nie. Und ab dann begann das Abenteuer.

Zunächst hatte sich unsere reguläre Gassistrecke ja quasi in Wasser aufgelöst. Und es kam immer mehr davon! Am Abend begannen die Menschen damit, Sandsäcke oben drauf auf unseren Deich zu legen, und zwar nicht nur so kleine, die so ungefähr so groß sind wie wir, sondern riesengroße, die so schwer sind wie ein ganz schwerer Mensch! Und die Menschen am Fluss, wozu übrigens auch die Dackelmenschen gehören, waren schon deutlich nervös. Die meisten hatten schon Wasser im Keller, aber das waren wohl so spezielle Keller, wo das Wasser auch hin soll, wenn es schon da ist. Flutungskeller heißen die. Und viele waren auch noch ganz cool, weil es ja jedes Jahr Hochwasser gibt. Allerdings kam dann wirklich sehr schnell noch recht viel mehr Wasser, und da waren wir schon alle recht froh um die dicken, großen Sandsäcke.

 

Mit den Sandsäcken kamen auch die Feuerwehrmänner, und ich muss schon sagen, meine Schwester Lilly ist sich echt für nichts zu schade. Eigentlich haben wir ja ziemliche Angst vor den meisten Männern, noch dazu wenn sie solche Helme auf den Köpfen haben, und dann waren da auch noch so riesige Feuerwehrautos… Also, ihr könnt euch vorstellen, ein vernünftiger Hund hält sich fern. Jetzt gab es aber bei den Feuerwehrmännern Brotzeit (also, Brot und Wurst und so für die nichtbayerischen Hunde und Menschen unter euch). Und ehe unser Mensch sich versah, hatte sich meine Schwester davonstibitzt (Wir hatten unsere Leinen vergessen…), und dann saß sie da mit ihrem schicken gelben Regenmäntelchen und bezirzte den nächstbesten Brotzeitmann, äh Feuerwehrmann. Der war aber wirklich durch kein Wedeln zu erweichen, also nahm sich meine Schwester jetzt tatsächlich der Reihe nach alle möglichen Brotzeitfeuerwehrmänner vor, bis dann einer nachgab. Gut, zugegeben, für mich ist auch etwas abgefallen. Aber als sie dann in das große Feuerwehrauto krabbeln wollte zu dem dicksten der ganzen netten Brotzeitfeuerwehrmänner, der – Logisch! – auch die meiste und leckerste Brotzeit hatte, musste unser Mensch dann doch eingreifen und sie rausfischen. Also gut, jetzt sind wir aufgeflogen, wirkliche Angst haben wir keine mehr, solange halt der Mut auch entsprechend entlohnt wird. Aber wenigstens haben wir die netten Feuerwehrmänner dann eine Zeit lang bespaßt, denn die hatten es nicht leicht, und unsere Show kam schon sehr gut an.

 

Am nächsten Tag waren die Feuerwehrmänner dann weg, aber die riesengroßen SandsäckeSandsäcke waren noch da. Das war recht praktisch, denn das Wasser war noch ein gutes Stück weg von den Säcken – und das sollte es auch bleiben. Also durften wir sie (Die Feuerwehrmänner hatten es erlaubt!) als Tribüne nutzen und saßen wie im Kino oben drauf und kuckten. Also, meiner Schwester Lilly wurde es recht schnell fad, aber ich genoss die Aussicht schon sehr, denn es bot sich einem interessierten Hund doch ein recht amüsantes Schauspiel: Unsere Enten! Gut, die meisten saßen schmollend auf irgendeinem Baum, aber die ganzen Jungerpel hatten ein neues Spiel erfunden. Weil unser Fluss ja nicht nur ganz furchtbar voll mit Wasser war, sondern auch noch richtig schnell, flatterten unsere Entenjungs immer ein Stück weit nach oben, ließen sich mit einem recht beachtlichen Erpelbauchplatscher ins Wasser plumpsen und sausten mit einem Affenzahn und riesigem Gequake den Fluss hinunter. Und wenn sie dann fast bei der Brücke waren, flatterten sie wieder los. Entenachterbahn! Das war wahnsinnig aufregend. Ich konnte nicht genug kriegen, und laut unserem Menschen muss ich ausgesehen haben, als würde ich beim Tennis zuschauen. Ich weiß nicht, was Tennis ist, aber so lustig wie Entenachterbahn kann es nicht sein. Gut, leider gibt es dieses Jahr seitdem keine Entenbabys, aber dafür ziehen gerade ganz viele Entenmädchen bei uns am Fluss ein. Mal schauen.

 

Die nächsten Tage durften wir immer wieder zum Wasserkucken an den Fluss. Irgendwann war da nicht mehr so viel Wasser und wir durften an einer ganz seichten Stelle ein bisschen die Pfötchen kühlen, weil es mittlerweile schon ziemlich heiß war. Also planschten wir ein wenig herum, bis plötzlich meine Schwester mit einem Quietschen mit allen vier Pfoten gleichzeitig nach oben hüpfte und panisch aus dem Wasser preschte. Ich musste natürlich sofort nachschauen, was da war, und tatsächlich: Mitten im hohen Gras, also im Gras unter Wasser, saß ein riesiger Fisch! Vielleicht einer von diesen Karpfen oder ein Hecht oder so, aber ein ziemliches Unterwassermonster. Ich wollte es gleich pflichtbewusst verscheuchen, klar, aber unser Mensch hielt das für keine allzu gute Idee. Also trottete ich etwas missmutig auch aus dem Wasser. Aber das Lustigste war meine Schwester: Den restlichen Tag war sie der felsenfesten Überzeugung, dass die ganze Welt ihr ans Fell wollte! Und so ergriff sie vor einer Schnake die Flucht, dann vor einer klitzekleinen Spinne, die sich bestimmt nur selbst retten wollte, und schließlich vor einem hinterhältigen Grashalm. Unser Mensch musste sie letztlich anleinen, sonst wäre sie wohl auf und davon. Das fand ich schon sehr unterhaltsam.

 

Irgendwann ging das Wasser wieder weg und die Menschen mussten aufräumen. Für uns hieß das aber noch lange nicht, dass wir wieder an den Fluss durften. Und als wir es dann nach langer Zeit wieder versuchten, war das keine gute Idee. Das Wasser war zwar fast weg, aber in den Pfützen schwamm Öl und noch anderes ganz furchtbar stinkiges Zeug, sodass unser Mensch alle Anziehsachen und sogar die Schuhe in die Waschmaschine werfen musste. Und wir beide mussten dreimal mit Shampoo baden, bis das ganze Öl und das Stinkzeug wieder aus unserem Fell draußen waren. Unser Mensch hatte uns verboten,Planschbecken dass wir uns selber putzen, weil das Zeug anscheinend wirklich giftig war. Das war vielleicht unangenehm! Allein unsere Schwänzchen und die Ohren und zwischen den Zehen! Wir waren dann ganz lang nicht mehr am Fluss, aber es gibt ja auch noch andere Gassistrecken und zum Planschen haben wir ja unser Planschbecken. Mittlerweile wird das Gras wieder grün und die Enten sind wieder da und die Fische sind halbwegs dort, wo sie hingehören, aber das war schon ein Abenteuer, das können wir euch sagen. Jetzt ist aber gut für heute, meine Schwester mag planschen gehen.

 

 

Ein hoffentlich trockenes Nuff an euch alle!

 

Lunka und Lilly

 

 

 

 

Autor:

Lunka und Lilly sind zwei kleine Mischlingshunde aus dem Tierheim Kezmarok am Fuße der Hohen Tatra in der nordöstlichen Slowakei. Sie kamen als einjährige Junghunde im Sommer 2008 nach Deutschland. Ihr Zustand war wie bei vielen Hunden aus dem Ausland nicht gut, obwohl es noch deutlich schlimmere Fälle gibt. Sie waren sehr mager und verängstigt. Gerade deshalb ist es immer wieder erstaunlich, wie sehr sich die beiden gemacht haben. Aus ihrem „ersten Leben“ weiß man nicht viel. Sie kamen wohl als Welpen noch an die Kette und fristeten so ihr erstes Lebensjahr. Als sie dann mit einem Jahr noch nicht furchteinflößend genug waren, wollte man sie wohl beseitigen. Genaues weiß man nicht, aber nachdem Plastiktüten und raschelnde Folien immer noch ein großes Problem sind, kann man sich wohl seinen Reim darauf machen. Allerdings werden Tüten, die möglicherweise Leckerlis enthalten, mittlerweile eher freudig begrüßt. Große Angst haben sie immer noch vor Männern mit Stöcken bzw. Angeln, vor sehr dominant auftretenden Menschen und Hunden sowie vor kleinen Kindern. Umso beachtlicher ist es, wie mutig sie schon geworden sind. Unseren kleinen Ausflug in die Welt der Schule haben sie sehr genossen; ebenso besuchen wir mittlerweile mit großer Begeisterung jeden zweiten Samstag ein Alten- und Pflegeheim für Demenzkranke. Es ist sehr anrührend zu beobachten, wie sehr sie auf die kranken Menschen eingehen. Interessanterweise lassen sie sich von diesen auch alles gefallen. Selbst wenn jemand etwas gröber ist, verzeihen sie das sofort und gehen auch sofort wieder zu demjenigen hin. Bei gesunden Menschen würden sie das nicht tun. Selbstverständlich gilt hier wie auch in allen anderen Bereichen, die wir uns nach und nach erobern: Sobald die beiden zeigen, dass sie sich unwohl fühlen, wird die möglicherweise stressbesetzte Situation unterbrochen. Auf diese Weise trauen sie sich nun immer mehr zu und so werden sie auch zu einem schönen Beispiel, was aus den ominösen „Tierschutzhunden aus dem Ausland“ alles werden kann. Das Tierheim Kezmarok ist in der sehr armen Region, in der es liegt, zumeist die einzige Chance für viele Hunde und Katzen. Selbstverständlich darf man sich dieses Asyl nicht vorstellen wie eines unserer deutschen Tierheime. Es gibt nicht auf dem ganzen Gelände Strom, und um eine Wasserleitung kämpfen wir seit Jahren. Seit letztem Sommer existiert immerhin ein Auslauf, denn bis dahin fristeten die Hunde den Großteil ihres Lebens im Zwinger. Es gibt keine nennenswerten Innenanlagen, d. h. wenn es im Winter bitterkalt wird (letzten Winter wochenlang um die -20 Grad!), wird das Überleben vor allem für kleinere und kurzhaarige Hunde schwierig. Die Katzen bewegen sich frei im Umland und kommen zum Füttern. Trotz dieser Zustände ist das Tierheim Kezmarok eine Lebensaufgabe für Idealisten, denn im Gegensatz zu den bekannten staatlichen Tierheimen wird dort immerhin kein Tier getötet, und die dortigen Mitarbeiter kümmern sich mit größtmöglicher Liebe und Zuwendung um die Tiere. Im Sommer 2011 wurde das Tierheim vom nahe gelegenen Gebirgsbach überschwemmt und zum großen Teil zerstört. Nur durch die beeindruckende Hilfe der dortigen Bevölkerung und den spontanen Einsatz deutscher Tierschutzvereine und durch viele Spenden aus Deutschland konnte es wieder aufgebaut werden. Die Tierhilfe Hohe Tatra Kezmarok e.V. ist ein sehr junger Verein, der sich der Unterstützung des Tierheims in Kezmarok verschrieben hat. Neben der Vermittlung von Hunden und Katzen ist ein Hauptziel, das Tierheim durch Spenden und tatkräftige Hilfe zu unterstützen. So wurde der Verein zu einer wichtigen Stütze für Tier und Mensch.

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