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Notfälle rechtzeitig erkennen

KaninchenFür ein Kaninchen ist es in der Natur sein Todesurteil, wenn man ihm ansieht, dass es krank ist. Dieses Verhalten hat sich das Fluchttier leider auch in Gefangenschaft nicht abgewöhnt.

Deshalb ist es sehr wichtig, seine Kaninchen gut zu beobachten und regelmäßig zu wiegen. Denn gerade in der Gruppenhaltung fällt ein evtl. krankhaft schlechter Esser meist sehr spät auf.

Auch erkennen viele Besitzer die Dringlichkeit bei der Krankheit ihres Kaninchen nicht, oder schätzen die Erkrankung nicht als Notfall ein.

Ein Notfall beim Kaninchen ist:

  • unstillbare Blutung
  • großer Blutverlust
  • Trommelbauch
  • Seitenlage
  • Atemnot
  • Gleichgewichtsstörungen
  • Krämpfe
  • Durchfall
  • Appetitlosigkeit
  • Geburtstörungen ( länger als 30 min)
  • kein Urin oder Kotabsatz
  • erfolgloses Pressen beim Kot- oder Urinabsatz
  • blutiger Urin
  • starke Gewichtsabnahme
  • Teilnahmslosigkeit

Beim Auftreten eines oder mehrere der genannten Symptome sollten sie sofort einen Tierarzt aufsuchen (immer vorher anrufen).

Auch wenn mehrere Kaninchen erkrankt sind, oder ein Tier plötzlich ohne Grund stirbt, sollten sie die anderen Kaninchen in einer Tierarztpraxis vorstellen.

Für den Transport in die Tierarztpraxis benötigen sie eine Kaninchentransportbox aus Kunststoff, die im Idealfall von oben und der Seite zu öffnen ist. Legen sie Box mit sauberen Tüchern aus und stellen sie sicher, dass die Türen verschlossen sind und das Kaninchen zugfrei transportiert werden kann. Bei einem Kaninchen mit Gleichgewichtsstörungen können sie die Seiten mit Handtüchern (evtl. gerollt) abpolstern.

Bei unterkühlten Tieren kann eine Wärmflasche in die Box gelegt werden, achten sie jedoch darauf, dass sich das Kaninchen nicht verbrennen kann.

Heu sollte bei Tieren, die noch fressen, immer zur Verfügung stehen.

Im Sommer, insbesondere wenn der Verdacht auf einen Hitzschlag besteht, können sie die Transportbox mit feuchten Tüchern bestücken.

Denken sie auch daran, eine Kot- oder Urinprobe mitzunehmen, wenn z.B. eine Blasenentzündung vorliegen oder eine Kotuntersuchung angebracht sein könnte.

Bei Vergiftungserscheinungen oder Verdacht darauf, nehmen sie ein Teil der gefressenen Pflanze etc. in die Tierarztpraxis mit.

Liegt bei ihrem Kaninchen eine Geburtstörung vor, sollten sie vorhandenes Nestmaterial in die Box legen. Schon geborene Jungtiere werden in einer seperaten Box transportiert, müssen aber gut gewärmt werden. Achten sie darauf, die Jungtiere nicht mit den Händen anzufassen, entweder das ganze Nest in die Transportbox setzen und die Hände gut mit benutztem Streu einreiben. Tote Jungtiere sollten sie getrennt von den Lebenden zur Diagnostik mit in die Tierarztpraxis nehmen.

In der Tierarztpraxis sollte eine Tiermedizinische Fachangestellte sie sofort in einen seperaten Raum begleiten, denn ein krankes evtl. geschocktes Kaninchen sollte nicht durch z.B. Hundegebell weiter verängstigt werden. Gut ist, wenn z.B. das Licht gedimmt wird und ruhig mit dem Patient Kaninchen umgegangen wird. In einer sehr guten Tierarztpraxis wird ihr Kaninchen niemals an den Ohren oder im Nacken aus der Box gezogen!

Kaninchen genesen schneller wenn sie in ihrer gewohnten Umgebung bei ihren Kameraden sind. Deshalb muss eine stationäre Betreuung immer gut abgewogen werden.

Um den Appetit anzuregen, eignen sich intensiv riechende Kräuter wie Dill, Basilikum oder Löwenzahn.

Bei Zahnerkrankungen und nur dann, sollte das Futter in kleine Stücke geschnitten werden.

Muss ihr Kaninchen zwangsernährt werden, erhalten sie in der Tierarztpraxis geeignete Produkte. Das Kaninchen wird dabei auf den Schoss genommen. Der Kopf des Kaninchens weist dabei zu ihren Knien. Eine Hand fixiert dann den Kopf des Patienten und die zweite Hand schiebt die Fütterungsspritze in die Lücke zwischen Schneide- und Backenzähnen. Auch Wasser oder Tee kann so verabreicht werden.

Liegende Kaninchen sollten mehrmals täglich umgelagert werden. Durch vorsichtiges Beugen und Strecken der Gelenke und leichter Bürstenmassage (weiche Zahnbürste) der Gliedmaßen beugen sie einem Muskelabbau vor.

Kontrollieren sie täglich den Analbereich auf Kotverklebungen und säubern sie dies gegebenenfalls mit lauwarmen Wasser.

Säubern sie auch täglich Verklebungen im Augen- Nasen- Maulbereich mit körperwarmen Wasser.

Benötigt ihr Kaninchen Medikamente sind diese meist oral zu verabreichen und wie oben bei der Zwangsfütterung beschrieben anzuwenden.

Wir wünschen ihrem Kaninchen eine gute Besserung!

 

 

2 Kommentare zu „Notfälle rechtzeitig erkennen

  1. Hallo,
    sehr schöner Beitrag. Und gute Ratschläge. Danke.
    Kaninchen sind Tiere unseres Herzen. Sie begleiten uns in guten und in schlechten Zeiten. Leider zeigen sie selten oder ganz spät wenn sie Schmerzen haben.
    Ich bin auch der Meinung, dass man sie immer gut beobachten soll.
    Viele liebe Grüße
    Peter

  2. Hallo,
    ja – da stimme ich voll zu.
    Aber ich habe mein erstes Kaninchen – von meiner Schwester übernommen – durch vereiterte Zähne verloren.
    Es ist ganz wichtig, dass man darauf achtet, ob ein Kaninchen sabbert oder Durchfall bekommt- meist ist dann was mit den Zähnen. Und wenn mann dann nicht möglichst schnell die Zähnchen richten lässt – weil der Tierarzt meint, das hat noch Zeit, läuft sie einem plötzlich ganz schnell davon. Wenn das Kaninchen nämlich erst nicht frisst und nicht köddelt, kann man es nicht in Narkose legen und die Zähne richten. Dann muß es erst wieder gepäppelt werden – mit Schmerzen – und meist wird es dann auch nichts mehr! Also schnell reagieren – lieber zu früh die Zähne richten lassen, als zu lange warten!

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