Veröffentlicht in Kleine Hunde ganz groß

Teil 19: Boarisch für zuagroaste Hundt und Leid

Lilly und LunkaGriaß eich midnand! Na gut, ich höre ja schon wieder auf. Heute bringe ich euch ein wenig Bayerisch bei, denn als wir von der Slowakei hier ankamen, mussten wir nicht nur Hochdeutsch, sondern eben auch Bayerisch lernen, und  das ist ein gewaltiger Unterschied, kann ich euch sagen. Auch innerhalb Bayerns gibt es mindestens so viele Dialekte wie unter uns Hunden, also wundert euch nicht, wenn es anderswo wieder ganz andere Wörter gibt.

Manches mag für eure Menschen sehr bedeutend sein. Wenn beispielsweise euer Menschenmännchen als „Hund“ bezeichnet wird, im Sinne von „Des is a Hund!“, dann empfinden wir das selbstverständlich als Kompliment. Unverständlicherweise geht es den nichtbayerischsprechenden Menschen nicht so. Dabei meint auch der Bayer das respektvoll, denn ein „Hund“ ist in dem Fall ein gewitzter Mensch, der sich wegen irgendeiner Handlung Achtung erworben hat, etwas weil er einen anderen überlistet hat. Seht ihr die Parallelen? Manche Wörter sind auch aus dem Österreichischen entlehnt. Schön finde ich die „Sackerl fürs Gackerl“, also die Hundehaufentütchen, die natürlich jeder Mensch dabeihaben und verwenden soll. Kleine Hunde werden auch „Zamperl“ oder „Wadlbeißer“ benannt, aber letzteres verbitten wir uns selbstverständlich.

Aber auch Begriffe, die mit Erziehung zu tun haben, können im Bayerischen ganz anders sein als im Hochdeutschen. Unser Mensch verwendet teilweise auch Englisch oder ganz andere Wörter, je nachdem, was gerade vom Klang her passt, aber wir verstehen ja mittlerweile alles. Geschimpft wird allerdings meistens auf Bayerisch. Wenn hund beispielsweise kommen soll, könnte das zunächst mit einem „Kimm!“ oder „Kumm!“ beginnen. Sollte hund sich anders entscheiden, könnte ein „Kimmst jetzt her!“ folgen. Sollte hund dann immer noch eine andere Beschäftigung bevorzugen, könnte sich der Mensch zu einem „Schaugst, dassd jetzt herkimmst, sunst setzts wos!“ hinreißen lassen. Die meisten Hunde entscheiden sich spätestens jetzt zu einem gewissen Grundgehorsam und traben zu ihrem Menschen. Analog dazu auch das Gegenteil: Wenn ihr verschwinden sollt, kann es sein, dass ihr ein „Schleich di!“ zu hören bekommt, dann ein „Schau, dassd di schleichst!“ oder auch ein „Wennst di ned glei schleichst, kannst wos dalem!“. Letzteres würde in etwa bedeuten: „Wenn du nicht gleich verschwindest, wirst du dein blaues Wunder erleben!“ Und bei dieser Drohung braucht es schon das Gemüt eines Bernhardiners, um nicht wegzuschleichen. Generell ist der Bayer an sich, vor allem der männliche, eher sparsam mit Worten, also ist es bei dieser letzten recht wortreichen Drohung durchaus empfehlenswert, das Feld zu räumen. Auch ein angefügtes „Host mi?“, was so viel bedeutet wie: „Hast du mich verstanden?“, sollte unbedingt mit spontanem Gehorsam quittiert werden. Hund kann sich ja später wieder umentscheiden.

Selbstverständlich gibt es im Bayerischen auch positive Wörter. Die schönsten davon drehen sich ums Essen. Manchmal sind es für dieselben Dinge einfach komplett unterschiedliche Wörter, wie „Wiener Würschtl“, „Leberkaas“ oder „Fleschpflanzerl“. Aber auch einen „Kaas“ sollte man nie ablehnen, oder auch Semmeln und Brezen, wenn sich die Chance ergibt. Aber diese Wörter solltet ihr ja schon kennen. Wichtig ist vor allem eines: „Gutti“. Dieses Wort bezeichnet so ziemlich alles, was lecker schmeckt, und heißt bei euch wahrscheinlich Leckerli.

Vor allem als kleiner Hund sollte man sich darüber hinaus daran gewöhnen, dass Vieles, was einen betrifft, auf ein „-erl“ endet. „Schnauzerl“, „Pfoterl“ und „Schüsserl“ sind eben kleine Ausgaben von Schnauzen, Pfoten und Schüsseln. Klingt komisch, aber die Menschen meinen es ja gut. Aber wisst ihr, was unser Lieblingswort ist? Betthupferl. Das ist unser Gutenachtkeks zum Einschlafen. Und eben den hole ich mir jetzt.

Hoffentlich seid ihr nun gut gewappnet für euren nächsten Urlaub in unserem wunderschönen Bayern. Schreibt uns doch auch einmal „Hundewörter“ in eurem Dialekt!

Pfiad eich!

Lunka und Lilly

Autor:

Lunka und Lilly sind zwei kleine Mischlingshunde aus dem Tierheim Kezmarok am Fuße der Hohen Tatra in der nordöstlichen Slowakei. Sie kamen als einjährige Junghunde im Sommer 2008 nach Deutschland. Ihr Zustand war wie bei vielen Hunden aus dem Ausland nicht gut, obwohl es noch deutlich schlimmere Fälle gibt. Sie waren sehr mager und verängstigt. Gerade deshalb ist es immer wieder erstaunlich, wie sehr sich die beiden gemacht haben. Aus ihrem „ersten Leben“ weiß man nicht viel. Sie kamen wohl als Welpen noch an die Kette und fristeten so ihr erstes Lebensjahr. Als sie dann mit einem Jahr noch nicht furchteinflößend genug waren, wollte man sie wohl beseitigen. Genaues weiß man nicht, aber nachdem Plastiktüten und raschelnde Folien immer noch ein großes Problem sind, kann man sich wohl seinen Reim darauf machen. Allerdings werden Tüten, die möglicherweise Leckerlis enthalten, mittlerweile eher freudig begrüßt. Große Angst haben sie immer noch vor Männern mit Stöcken bzw. Angeln, vor sehr dominant auftretenden Menschen und Hunden sowie vor kleinen Kindern. Umso beachtlicher ist es, wie mutig sie schon geworden sind. Unseren kleinen Ausflug in die Welt der Schule haben sie sehr genossen; ebenso besuchen wir mittlerweile mit großer Begeisterung jeden zweiten Samstag ein Alten- und Pflegeheim für Demenzkranke. Es ist sehr anrührend zu beobachten, wie sehr sie auf die kranken Menschen eingehen. Interessanterweise lassen sie sich von diesen auch alles gefallen. Selbst wenn jemand etwas gröber ist, verzeihen sie das sofort und gehen auch sofort wieder zu demjenigen hin. Bei gesunden Menschen würden sie das nicht tun. Selbstverständlich gilt hier wie auch in allen anderen Bereichen, die wir uns nach und nach erobern: Sobald die beiden zeigen, dass sie sich unwohl fühlen, wird die möglicherweise stressbesetzte Situation unterbrochen. Auf diese Weise trauen sie sich nun immer mehr zu und so werden sie auch zu einem schönen Beispiel, was aus den ominösen „Tierschutzhunden aus dem Ausland“ alles werden kann. Das Tierheim Kezmarok ist in der sehr armen Region, in der es liegt, zumeist die einzige Chance für viele Hunde und Katzen. Selbstverständlich darf man sich dieses Asyl nicht vorstellen wie eines unserer deutschen Tierheime. Es gibt nicht auf dem ganzen Gelände Strom, und um eine Wasserleitung kämpfen wir seit Jahren. Seit letztem Sommer existiert immerhin ein Auslauf, denn bis dahin fristeten die Hunde den Großteil ihres Lebens im Zwinger. Es gibt keine nennenswerten Innenanlagen, d. h. wenn es im Winter bitterkalt wird (letzten Winter wochenlang um die -20 Grad!), wird das Überleben vor allem für kleinere und kurzhaarige Hunde schwierig. Die Katzen bewegen sich frei im Umland und kommen zum Füttern. Trotz dieser Zustände ist das Tierheim Kezmarok eine Lebensaufgabe für Idealisten, denn im Gegensatz zu den bekannten staatlichen Tierheimen wird dort immerhin kein Tier getötet, und die dortigen Mitarbeiter kümmern sich mit größtmöglicher Liebe und Zuwendung um die Tiere. Im Sommer 2011 wurde das Tierheim vom nahe gelegenen Gebirgsbach überschwemmt und zum großen Teil zerstört. Nur durch die beeindruckende Hilfe der dortigen Bevölkerung und den spontanen Einsatz deutscher Tierschutzvereine und durch viele Spenden aus Deutschland konnte es wieder aufgebaut werden. Die Tierhilfe Hohe Tatra Kezmarok e.V. ist ein sehr junger Verein, der sich der Unterstützung des Tierheims in Kezmarok verschrieben hat. Neben der Vermittlung von Hunden und Katzen ist ein Hauptziel, das Tierheim durch Spenden und tatkräftige Hilfe zu unterstützen. So wurde der Verein zu einer wichtigen Stütze für Tier und Mensch.

Ein Kommentar zu „Teil 19: Boarisch für zuagroaste Hundt und Leid

  1. Da unser Oscar eine Bordeauxdogge mit einem sehr ruhigen Gemüt ist kommen wir mit
    “Oscar hier, Oscar bei Fuß, Oscar Sitz, Oscar warte, Oscar aus.” Platz haben wir uns direkt abgewöhnt. Wenn wir mit ihm sprechen und unsere Monologe halten stellt er immer wieder aufs neue fest, dass er mehrere Namen hat 🙂 So ist aus Oscar bereits Osel, Oselmane, Kuchendieb und Osi geworden. Essen heißt allerdings “Habba Schnauf” und Schlafen gehen heißt in die “Heia Fitti”. Manchmal frage ich mich, wo Frauchen diese Wörter herstellen lässt. Beste Grüße Daniel

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