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Kleine Hunde ganz groß, Teil 34: Neues aus dem Rudel

KaninchenbubHallo, liebe Hundekumpels und Hundemenschen! Jetzt ist es schon ganz lange her, seit wir uns das letzte Mal gemeldet haben. Das liegt daran, dass wir mit unseren vielen Jobs so sehr beschäftigt waren und vor allem daran, dass unser Mensch den Computer so häufig besetzt. Sie nennt das „Arbeit“. Ich weiß ja nicht. Aber nachdem meine Schwester Lunka gerade im Schlaf Mäuse jagt (Als ob sie jemals eine fangen würde… ) und der Mensch nicht da ist, habe ich mir endlich den Laptop erobert und tippe so schnell wie möglich ein kurzes Update.

Passiert ist schon einiges, Schönes und nicht so Schönes. Zuerst die Highlights: Wir waren zum ersten Mal in unserem Leben in einem Hundehotel! Also, in einem Hotel für Menschen und Hunde gemeinsam. Davon erzählen wir euch demnächst. Unser Job als Schulhunde ist in die nächste Runde, also quasi ins nächste Schuljahr gegangen, und wir haben jetzt neue Kinder. Die sind vielleicht anstrengend! Aber auch davon ein anderes Mal.

Denn heute geht es eher um das nicht so Schöne: Clyde, eines unserer Kaninchen, ist leider nicht mehr bei uns. Unser Mensch hat gesagt, er ist jetzt im Kaninchenhimmel. Das hat wohl etwas mit Religion zu tun. Das ist auch so etwas, was ich nicht verstehe. Meine Schwester Lunka, die ja immer in unbeobachteten Momenten die Bücher unseres Menschen liest und dafür dann Ärger kriegt, weil man sie dann nicht noch einmal lesen kann, hat mir das so erklärt: Religion ist, wenn die Menschen eine Geschichte über einen lesen, der vor ganz langer Zeit gelebt hat und dann weg war und dann doch wieder da war. Aber nicht so, wie wenn unser Mensch zur Arbeit geht und dann wiederkommt, sondern irgendwie anders. Und alle Menschen meinen, dass sie da auch irgendwann hingehen, wo dieser Mensch ist. Das muss ja ein wirklich toller Mensch sein. Ich bin mir da nicht so ganz sicher, vor allem, weil ich nicht mehr so ganz mitkomme, wer nun wo ist und was das Ganze mit diesem Himmel zu tun hat. Der ist doch über uns und ganz blau und manchmal voll mit Wolken! Meine Schwester behauptet natürlich, ihr ist das alles völlig klar. Fakt ist, unser Kaninchenbub ist nicht mehr da. Und ich glaube, der kommt auch nicht wieder.

Begonnen hat es ungefähr an dem Tag, wo der Nikolaus kommt. Da hat Clyde immer angefangen so komisch schief zu kucken. Und dann ist er immer umgefallen. Unser Mensch war ganz oft beim Tierarzt, und weil Clyde nicht genug essen konnte, bekam er Heubrei. Was es alles gibt. Aber geschmeckt hat der Brei wohl, denn entgegen allen Vorhersagen ging es ihm wirklich wiederClyde besser mit der ganzen Medizin und allem. Er konnte wieder alleine essen und unseren Menschen in den Finger beißen. Also alles normal. Auch Bonnie hat sich wirklich gut gekümmert. Am Schluss hatte er den Kopf nur noch ein bisschen schief und konnte sogar wieder hoppeln. Da waren wir froh, weil Clyde ein wirklich nettes Kaninchen war und nicht so frech wie Bonnie. Aber plötzlich ging es ihm sehr schlecht. Er wollte nicht mehr fressen und lag ganz viel auf der Seite. Und Bonnie wollte auch nichts mehr mit ihm zu tun haben.

Eines Tages fuhr unser Mensch dann wieder mit ihm zum Tierarzt und kam furchtbar traurig, aber ohne Clyde wieder. Normalerweise kommen wir ja immer mit zum Tierarzt, weil Lunka ja unser Medizinhund im Rudel ist. Aber dieses Mal mussten wir zuhause bleiben. Das fanden wir schon sehr komisch. Als unser Mensch uns dann noch erklärt hat, dass Clyde jetzt im Kaninchenhimmel ist, weil er noch eine Krankheit namens „Schlaganfall“ bekommen hat, und dass wir ihn irgendwann viel später wiedersehen würden, waren wir auch traurig, obwohl mir das mit dem Himmel immer noch Rätsel aufgibt.

Jetzt haben wir also nur noch ein Kaninchen. Wir haben zwar überlegt, ob Bonnie wieder einen Bub haben soll, aber sie ist allein wirklich glücklich. Und wahrscheinlich würde sie den neuen Bub sowieso nur wieder verprügeln. Daher darf sie jetzt ganz viel in der Wohnung hoppeln, und wenn sie wieder zu frech ist, dann gehen wir im Garten Gassi. Es ist nämlich so, dass Bonnie ein wirklich schlaues Kaninchen ist. Sie weiß ganz genau, was sie darf und was nicht. Zum Beispiel in Stromkabel beißen. Das darf sie nun wirklich nicht. Aber an manchen Tagen macht sie das so richtig mit Absicht, und irgendwann verliert unser Mensch doch die Geduld. Dann bekommt Bonnie la Bömm eine Hasenleine an und eines unserer alten Blinkhalsbänder um den Bauch (Hihi!), weil es ja schon etwas finster ist, und ab geht’s in den Garten. Da hoppelt sie dann wie ein Weltmeister, und so allmählich versteht sie das mit der Leine sogar. Ist halt wirklich ein schlaues Tierchen.

Aber meine Schwester und ich halten gebührend Abstand, denn wir trauen ihr nicht so ganz. Vielleicht kriegt sie doch wieder ihren Kaninchenvogel und will uns beißen. Hund weiß ja nie. Wenn es endlich warm genug ist, bauen wir das Kaninchenzuhause im Garten auf, und dann kann Bonnie la Bömm den Tag über draußen hoppeln. Einstweilen bespaßen wir sie eben so.

Noch eine Konsequenz hat die Kaninchengeschichte für uns, und das finden wir wirklich doof. Seitdem unser Clyde nicht mehr bei uns ist, isst unser Mensch kein Fleisch mehr. Vegetarier nennt sich das. Es gab ja früher schon höchst selten Fleisch bei unserem Menschen, aber die gelegentliche Leberkäsesemmel fehlt uns doch sehr. Wir bekommen trotzdem noch unser normales Hundeessen mit Huhn oder Fisch oder so, und wenn es abends Spinat mit Kartoffel und Spiegelei gibt, dann können wir auch ganz gut ohne Fleisch leben. Und zum Leberkäseteilen finden sich ja manchmal noch andere Menschen. Aber trotzdem: Menschen sind merkwürdig.

Ein verwundertes Nuff an euch alle!

Lilly und Lunka

 

Autor:

Lunka und Lilly sind zwei kleine Mischlingshunde aus dem Tierheim Kezmarok am Fuße der Hohen Tatra in der nordöstlichen Slowakei. Sie kamen als einjährige Junghunde im Sommer 2008 nach Deutschland. Ihr Zustand war wie bei vielen Hunden aus dem Ausland nicht gut, obwohl es noch deutlich schlimmere Fälle gibt. Sie waren sehr mager und verängstigt. Gerade deshalb ist es immer wieder erstaunlich, wie sehr sich die beiden gemacht haben. Aus ihrem „ersten Leben“ weiß man nicht viel. Sie kamen wohl als Welpen noch an die Kette und fristeten so ihr erstes Lebensjahr. Als sie dann mit einem Jahr noch nicht furchteinflößend genug waren, wollte man sie wohl beseitigen. Genaues weiß man nicht, aber nachdem Plastiktüten und raschelnde Folien immer noch ein großes Problem sind, kann man sich wohl seinen Reim darauf machen. Allerdings werden Tüten, die möglicherweise Leckerlis enthalten, mittlerweile eher freudig begrüßt. Große Angst haben sie immer noch vor Männern mit Stöcken bzw. Angeln, vor sehr dominant auftretenden Menschen und Hunden sowie vor kleinen Kindern. Umso beachtlicher ist es, wie mutig sie schon geworden sind. Unseren kleinen Ausflug in die Welt der Schule haben sie sehr genossen; ebenso besuchen wir mittlerweile mit großer Begeisterung jeden zweiten Samstag ein Alten- und Pflegeheim für Demenzkranke. Es ist sehr anrührend zu beobachten, wie sehr sie auf die kranken Menschen eingehen. Interessanterweise lassen sie sich von diesen auch alles gefallen. Selbst wenn jemand etwas gröber ist, verzeihen sie das sofort und gehen auch sofort wieder zu demjenigen hin. Bei gesunden Menschen würden sie das nicht tun. Selbstverständlich gilt hier wie auch in allen anderen Bereichen, die wir uns nach und nach erobern: Sobald die beiden zeigen, dass sie sich unwohl fühlen, wird die möglicherweise stressbesetzte Situation unterbrochen. Auf diese Weise trauen sie sich nun immer mehr zu und so werden sie auch zu einem schönen Beispiel, was aus den ominösen „Tierschutzhunden aus dem Ausland“ alles werden kann. Das Tierheim Kezmarok ist in der sehr armen Region, in der es liegt, zumeist die einzige Chance für viele Hunde und Katzen. Selbstverständlich darf man sich dieses Asyl nicht vorstellen wie eines unserer deutschen Tierheime. Es gibt nicht auf dem ganzen Gelände Strom, und um eine Wasserleitung kämpfen wir seit Jahren. Seit letztem Sommer existiert immerhin ein Auslauf, denn bis dahin fristeten die Hunde den Großteil ihres Lebens im Zwinger. Es gibt keine nennenswerten Innenanlagen, d. h. wenn es im Winter bitterkalt wird (letzten Winter wochenlang um die -20 Grad!), wird das Überleben vor allem für kleinere und kurzhaarige Hunde schwierig. Die Katzen bewegen sich frei im Umland und kommen zum Füttern. Trotz dieser Zustände ist das Tierheim Kezmarok eine Lebensaufgabe für Idealisten, denn im Gegensatz zu den bekannten staatlichen Tierheimen wird dort immerhin kein Tier getötet, und die dortigen Mitarbeiter kümmern sich mit größtmöglicher Liebe und Zuwendung um die Tiere. Im Sommer 2011 wurde das Tierheim vom nahe gelegenen Gebirgsbach überschwemmt und zum großen Teil zerstört. Nur durch die beeindruckende Hilfe der dortigen Bevölkerung und den spontanen Einsatz deutscher Tierschutzvereine und durch viele Spenden aus Deutschland konnte es wieder aufgebaut werden. Die Tierhilfe Hohe Tatra Kezmarok e.V. ist ein sehr junger Verein, der sich der Unterstützung des Tierheims in Kezmarok verschrieben hat. Neben der Vermittlung von Hunden und Katzen ist ein Hauptziel, das Tierheim durch Spenden und tatkräftige Hilfe zu unterstützen. So wurde der Verein zu einer wichtigen Stütze für Tier und Mensch.

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